Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

128 Nachtelle des fronzösisch-belgischen Eisenbahnabkommens für Saarbahnen. 
malte die Nachteile, die den Preußischen Bahnen durch den neuen Vertrag erwachsen mußten, 
in lehr lebhaften Farben aus und bat um geeignete Gegenmahregeln. Vgl. dazu auch K. Abein- 
dorf, Der belgisch-französische Cisenbahnkonflikkt, Deutsche Rundschau, Mai 1923, S. 134 f. 
Berlin, den 10. August 1869. 
Ew. pp. beehre ich mich, das mit dem gefälligen Schreiben vom 2. d. M. (II. 12134), 
die Stellung der Groß- Luxemburger Bahn gegenüber dem neuften belgisch-französischen 
Übereinkommen betreffend, mitgeteilte Sxemplar des „Journal de Charleroi“ mit dem 
verbindlichsten Dank zurückzusenden. 
Die in dem gleichfalls gefälligst mitgeteilten Bericht der Königlichen Eisenbahn- 
direktion zu Saarbrücken enthaltenen Bemerkungen verdienen gewiß alle Beachtung; ich 
sebe indes zu meinem Bedauern keine Mglichkeit, auf diplomatischem Wege mit irgend 
welcher Aussicht auf Erfolg die Beseitigung der TNachteile anzustreben, welche auch für 
diesseitige Bahnstrecken aus dem angeführten Übereinkommen befürchtet werden. 
*1420. Schrelben an den Staatsminister von Mähler. 
(Konjept von der Hand des Vortragenden Aats Abeken.] 
In einem eingebenden Schreiben an Bismarck vom 16. Juli hatte der Kultusminifter 
v. Mühler von seinem spejisisch preußischen Standpunkte aus erhebliche Bedenken gegen das 
Verfohren vorgebracht, das Bismarck im Einverständnis mit Sürst Hohenlohe in der Srage 
des ökumenischen Konnils einschlagen wollte. Mühler riet von allen Kollektioschritten der 
deutschen Regierungen, insbesondere von irgend welchen Kollektionoten gegenüber Rom ab; 
lieber möge die preußische Regierung von sich aus vorgehen. Auch gegen die ECntsendung eines 
gemeinsamen, etwa bayrischen Bevollmächtigten nach Rom hatte er Bedenken. Noch weniger 
wollte Mühler etwas von einer Kollektiverklärung der deutschen Regierungen an die deutschen 
Bischöfe etwas wissen, die am 1. September zu einer Konferen; in Fulda msammenzutreten beab- 
sichtigten, um sich über ihre voraussichtliche Stellung im Konzil zu verständigen; selbst eine 
Girkulareröffnung der preußischen Regierung an die preuhischen Bischöfe fand er bedenklich. 
Das Mühlersche Schreiben wurde Bismarck am 224. Juli durch Bucher vorgetragen. Der 
Kangler, der einen Schritt gegenüber dem deutschen oder auch nur dem preuhischen Episkopat 
gar nicht ins Auge gefaht hatte, sand, dahß Mühler seine Absichten mißverstanden haben müsse. 
Wie in seinem Auftrage Bucher noch am 24. Thile mitteilte, war seine Auffassung die: „Von 
einem Schritt vis-à-vis dem Episkopat ist sa keine Rede; das wäre gar nicht in unseren Sdeen, 
die Abeken genau kennt. Wenn das Schreiben überhaupt eine Antwort erfordert. so ist 
Mühler zu sagen, ich wäre geneigt, Bayern zu ermächtigen, daß es im Vamen Deutschlands 
ganz vertraulich in Rom abmahne. So wensg ich für Prävention sei, so sei es doch am beften, 
wenn es gar nicht zu einem Angriff käme. Der Papst bei seinem Alter und seinem ascendant, 
täusche sich vielleicht über den Ernst der Solgen.“ Das Buchersche Schreiben wurde von Thile 
an den bei König Wilhelm I. in Bad Ems weilenden Abeken gesandt, der in einem PDromemoria 
vom 29. den Sachverbolt klarlegte. Als Bucher dem Kanzler das Aberensche Promemoria am 
31. vortrug, machte dieser dazu solgende Vemerkungen: „Es sei nie seine Absicht gewesen, mit 
dem „SEpiskcopat“, mit der Gesamtbeit der deutschen Bischöfe wie mit einer Macht oder als 
mit einem corpus zu verbandeln. Er sei der Meinung gewesen, dah die Bezjiehungen, in welchen 
das Kultusministerium durch seine katholische Abteilung stehe, so viel auf die diplomatische Be- 
fähigung abgefärbt haben würden, daß das Ministerium imstande lei, auf einzelne Bischöfe oder 
deren vertraufe Raigeber vertraulich einzuwirken im Hinblick ouf die Versammlung in Sulda. 
An ein Ministerialrefkrript oder eine Aote mit Journalnummer habe er nicht gedacht. Sbenso 
solle der nach Rom zu entsendende Bauer dort nichts bekunden — und zwar vertraulich —, als 
daß die deutschen Aegierungen ganz einig im Cutschluß der Abwehr wören, und mahnen, die 
Sache mit Vorsicht zu behandeln. Den Vorschlag des Herrn von Arnim, einen außerordent- 
lichen Bevollmächtigten nach Vom m schicken, vermöge er nicht zu billigen. Man würde dadurch 
das Konzil in die Höbe schrouben, indem man gleichsom bei demselben antichambriere. Aun- 
mehr setzte Abeken den Entwurk mu elner Antwort Bismarcks an Mühler auf, der mnächst nach 
Vorzin ging und hier von Vucher auf Grund Bismarckschen Diktats stark erweitert wurde. 
Eine Nandbemerkung Buchers zu dem Komept besagt: „Die, Vorianten sind von des Herrn 
Chefs Exjellenj beim Vorlesen des Konjepts diktiert worden." Am 10. ging das Schreiben,