Bismarcks vergebliche Versuche in München, Wien und Paris. 301
Einer weiteren Mitteilung habe ich noch entgegenzusehen', erwarte jedoch nicht, daß das
Wiener Cabinet einen unzweideutigen Entschluß nach einer oder der anderen Seite bin fassen
werde.
Es bleibt, wenn die katholischen Regierungen eine Initiative nicht ergreifen wollen, die
Grage übrig, welche Stellung die Bischöfe selbst einnehmen werden. Wir wenden auch hier den-
selben Grundsatz an, daß wir uns nicht dirert ulnd! in eignem Mamen an den römlischen!
Stubl oder sein Concil wenden, wohl aber jeden Versuch kräftig ulnd]) nachbaltig unterstützen
würden, der von catholischen Elementen ulnd) namentlich von den deutschen Bischöfen zu dem
Gwecke gemacht werden wird, die Berfassung der kathlolischen) Kirche vor rechtswidrigen
Neuerungen ulnd] den kirchlichen ulnd) staatlichen Srieden vor Störung m bewahren.
*1540. Erlaß an den Gesandien in Kom von Arnim.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Nats Abekenl.
Vertraulich. Berlin, den 25. März 1870.
Ew. pp. übersende ich zu Ihrer Information anliegend Abschrift eines Erlasses, welchen
ich unter dem 25. d. M. an den Königlichen Botschafter in Paris gerichtet habe, und füge
zugleich auch den früheren vom 16. d. M.-, auf welchen darin Bezug genommen wird, eben-
falls abschriftlich bei. Diese beiden Schriftstückke werden vollständig über die Haltung unter-
richten, welche wir in Bezug auf das Konzil m bewahren gedenken".
Ew. pp. ersehen daraus des näberen, was ich in meinem Telegramm Ar. t vom 27. d. M.“
bereits kurz mitgeteilt habe, daß wir sowohl in München und über München in Wien als
auch in Paris den Versuch gemacht haben, die Initiative einer katholischen Wacht, welcher
wir uns anschließen könnten, in Anregung zu bringen. Die beiden nach Paris gerichteten
Depeschen sind ebenso an den Königlichen Botschafter in London gegangen, da auch Lord
Clarendon gegen Graf Bernstorff den Wunsch geäußert hatte, daß etwas gescheben möge,
um die vom Konzil drobenden Gefahren abzuwenden. Aber auch wenn von seiten Englands
ein ähnlicher Wunsch in Paris ausgesprochen sein gollte, hat er wenigstens nicht den Erfolg
gehabt, die französische Regierung einem gemeinsamen Handeln mit andern Negierungen ge-
neigter zu machen; das französische Ministerium scheut es offenbar, durch Solidarität mit
andern eventuell zu einem bestimmteren Auftreten genötigt zu werden, und will sich mit der
7 Der Nest des Ablsatzes eigenbändige Korrektur Bismarcks.
1540. 1 Siebe Ar. 1839.
2 Siebe Nr. 1533.
2 Bis hierhin ging der Erlaß auch an die Missionen in München, Wien, St. Petersburg, Dresden und
Brüssel. Der Erlaß nach München erbielt noch den folgenden Sufatz: „Cw. sind ermächtigt, von dem õnhalt
des zwischen uns und GFrankreich leitgelanbe Gedankenaustausches dem Grasfen Brau Kenntnis u geben und
ihm mugleich m bemerken, daß auch in Bezug auf Bauyern unsere ereitwilligkeit ur Iaterstüszung eventuell
doch noch beabsichtigter Schestte stets dieselde t ewesen ist. Der letzte Bericht Ew 44 vom 21. d. M.
er ewãhrt indes wenig Aussicht auf eine weitere Initiative Bayerns, nachdem der Kas#icy Sseerreichische Teichs-
anller die Teilnahme abgelehnt hat. Es dürfte daber auch für jetzt von geinem Erfolge lein, die von dem
Grafen Tauffkirchen angeregte Srage über den Jeitpuntt. wann eine Erklärung abj mge 5en lein würde, näher
l bren. Ich koirderh meinen früber= Semertun, deß ecdennt bercitl blesern in Nom alle von katho-
#cher Seite ausgebenden Mahnungen zur Mähigung zu unterstützen wir abe *i
scheidung über die Opportunität der Enktiatioe anbeimgtellen. ¾B9 5 r dem * Miothter die ẽ
Siebe NMr. 1538.