Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

Srankreichs Kriegserklärung. Erste französische Feindseligkeiten. 401 
*1623. Telegramm an den Geschäftsträger in Paris 
Grafen zu Solms-Sonnenwalde“. 
([Eigenbhändiges Konzept.] 
Am 19. Juli war in Berlin eine Meldung des rovinpialsteuerdiresters Woblers aus 
K eingelaufen, wonach die Franzosen bei einem überfall auf deutsches Gebiet die sämtlichen 
AWMäume des Mebenjollamts Salkterbete bei Forbach durchsucht und mehrere Grenzjaufseber 
Sleuge r lertoeführt hätten. Vgl. u H. Oncken, Die Abeinpolitik Kaiser Rapoleons III., 
6. Mit dieser — die vergeblich von, fronzösischer Seite bestritten 
wurde, —8 #r af Brau in der baprischen Kammersitzung vom das Eintreten des casus 
foederis, das er nach Berlin schon borber eingeräumt hatte, auch er motiviert. 
Berlin, den 19. Juli 1870. 
hur Station: 220 nachm.] 
Nachdem die Jeindseligkkeiten von Seiten der Kaillerlich) Sranzlösischen) Cruppen beut 
früb auf der Gränze bei Forbach eröffnet worden sind, wollen Ew. [pp.] mit dem gesammten 
Botschaftspersonale ohne Ausnahme Frankreich jsofort verlassen ulndl die Archive unter den 
Schutz der amerikanlischen) Gesandtschaft stellen. 
1674. Kunderlaß an die Missionen. 
[Konzept von der Hand des Vortragenden Nats Abeken.] 
Wenn es Bismarck bei der Umredigierung der atler Depesche“ (ogl. Nr. 1612) vor allem 
auch darauf angekommen sein wird, sie für den Sall, daß die Franjofen zum Kriege entschlossen lein 
lollten, und dah sie 4 von diesem Entschluß weder durch die in ganz Deutschland 
aufflammende nationale Begeisterung noch durch einen vielleicht vom neutralen Ausland, vor allem 
von England her einsetzenden diplomatischen Druck zmrückbringen lassen würden, zu raschem 
Vorgeben und angriffsweisen Verbalten zu nötigen, so Jollte ihn seine Erwartung nicht getäuscht 
baben. Ein solches Berhalten hatte ja nicht durchaus in der Absicht der franjösischen, Regierung, am 
wenigsten oielleicht in der Absicht des im Grunde von Bismarck richtig eingeschätzten Kaisers 
VNapoleon gelegen. Die französische Regierung würde am Ende geneigt gewesen sein, sich vorerst mit 
der Approbierung der Versichterklärung des Erbgringen von Hobenzollern durch König Wilhelm 
abmfinden und dielen Ceile#folg. vor der eigenen Volksvertretung möglichst Sufmoauschen um go 
Seit für eine Vergrößerung des bereits erlangten militärischen Vorsprungs und uum Abschluß 
Kriegerischer Verhandlungen mit Österreich und Italien zu gewinnen. Diesel Wöolilbkeint 
wurde ihr aber durch die Emser Depesche zerschlagen. Bgl. dazu das Eingeständnis. das der He#og 
von Gramont am 18. Juli dem dönischen Gesandten Grafen Moltke-Hoitfeldt gemacht hat: 
„Nous avons dix ou onze jours d’avance sur les Prussiens en ce qdui concerne les pré- 
Paratifs militaires; nous en aurions eu encore davantage. si nous avions pu ainsi qdue 
nous le désirions, prolonger la durée des négociations; malheureusement 7 a eu insulte 
de la part du roi de Prusse et ce fait a nécessairement eu pour résultat de faire cesser 
instantanment tous les pourparlers“. Bericht des Grafen Moltke-Hoitseldt vom 18. Juli, 
Aage Früs, Det No lessripeks Spoer ergsmaal II. 443 ff., H. Oncken, Die AVheinpolitik 
Kaiser Aapoleons III., III, 455 f. Ob die bebouptete Insulie König Wilbelms, mit der jedenfalls 
die Emser Depesche gemeint l — deren innere Berechtigung doch gerade durch das Gramont sche 
Geständnis unterstrichen wird —, wirklich eine solche war, da lie der französischen Regierung ein 
Eingeben auf das englische Vermittlungsangebot (ogl. dazu 1662) unmöglich machen mußte, 
ist die Srage. Nachträglich Joll Aapoleon ja selbst noch einige Teigung bezeigt haben, die russische 
Friedensvermittlung mit dem Eingeständnis anzurufen, daß er sich babe fortreihen lassen (ogl. 
Tr. 1686, 1690). Dam aber war es mu spät selt dem 19. Juli, wo der franzölische Geschäfts- 
träger Le Sourd in Berlin die Kriegserklärung an Preußen überreichte und gleichzeitig für sich 
und dos gesamte Botschaftspersonal die Pässe verlangte. Siebe den Text der Kriegserklärung 
100. 
in: Das Staatsarchio, 
Berlin, den 19. Juli 1870. 
Die Kaiserlich Franzölische Regierung hat durch ihren Geschäftsträger das in Abschrift 
anliegende Aktenstück, ihre Kriegserklärung enthaltend, übergeben lassen. 
leiche Telegramm erging auch nach London mit der Au orderung, „bei Bancroft anzufragen, ob 
er die E— durch leinen — in Paris beftellen kann. ¾“ 6. „bei Bancroft anjufra 
VIb w