Volltext: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

418 Blsmarck für Julassung russischer Offinere im Hauptquartier. 
bestimmt babe, „dah fremde Offiniere, welche den Krieg als amateurs mitmachen wollen, nicht 
angenommen werden sollen, weil allen Stäben und Kommandobebörden aus der Anwesenbeit dieser 
Herren eine unglaubliche Last erwächst“. Bismarck lieh darauf noch gleichen Lages den Missionen 
in London, Detersburg, Wien und Sloren; die Weisung zugeben: „Bringen Sie mit Dank für 
die Sympatbien zur öffentlichen Kenntnis, daß es bei den ohnehin übergroßen Hauptaquartieren 
völlig unmöglich ist, ausländische Offifiere den Krieg mitmachen zu lassen.“ Indessen traf am 
.Juli in Berlin ein Bericht des Drinzen Reuß aus Detersburg ein, nach dem Kailer 
Alexander II. Wert darauf legte, dah neben hinen Verliner Militärbevollmächtigten General 
Kutusow noch die Slügeladjutanten Sürst Mestschersky und Oberst Prinz Albert zu Sachsen- 
Altenburg der preuhischen Armee folgten. us politischen Gründen jsetzte sich Bismarck, 
während in Frankreich der analoge Wunsch des Saren keine Berückksichtigung fand, nachdrücklich 
für das ruslische Begebren ein. 
Berlin, den 23. Juli 1870. 
Euerer Königlichen Moajestät habe ich die Ehre, einen Bericht des Prinzen Reuß vom 
20. d. Al. alleruntertänigst vorzulegen, worin er die Wünsche Seiner Majestät des Kaisers 
von ARußland vorträgt, daß außer dem General Kutusow noch der Slügeladjutant Fürst 
Mestschersku und der Oberst Prinz Albert zu Sachsen-Altenburg den Vorzug haben 
möchten, der Armee Curer Majestät ins Seld zu folgen. 
Ich verkenne nicht die großen Unzmträglichkeiten, welche die Anwesenbeit fremder 
Offiziere im Hauptquartier mit sich bringt, und die Außerung dieser Wünsche Seiner 
Majestät des Kaisers ist gewiß im böchsten Grade unbequem. Dennoch muß ECuere König- 
liche Majestät ich ebhrfurchtsvollst bitten, in diesem Falle die Rücksichten des politischen 
Vorteils über die militärischen überwiegen zu lassen. Seine Majestät der Kaiser ist in der 
gegenwärtigen Lage der einzige zuverlässige und treue Sreund Preußens, ja er kann schon 
in diesem Augenblick beinah als ein Bundesgenosse Cuerer Moajestät angesehen werden. 
Es üst daher politisch von der größten Wichtigkeit, ihn nicht durch eine Ablehnung seiner 
Wünsche und Aötigung zur Rücknahme bereits erlassener Befehle zu verstimmen; und 
ungeachtet der oben gedachten Bedenken, muß ich es für meine Pflicht balten, Euere 
Majestät ebenso dringend als ehrfurchtsvoll zu bitten, für die vom Kaiser bereits 
delsignierten Offiziere eine Ausnahme von dem allgemeinen Grundsatz zu machen und zu 
befehlen,! daß die von Seiner Majestät dem Kaiser von Rußland genannten Offiziere im 
Hauptquartier zugelassen werden.a 
Bemerkung König Wilhelms I. am Kopfe: 
Durch den General von Treskow dies Schreiben mit Einlage zurücke an den Minister- 
Präsidenten, indem ich seiner Ansicht beitreten muß. W. 23. 7. 70. 
Nandbemerkung König Wilbelms I.: 
1 Einverstanden. W. 2—. 7. 70. 
1203. Telegramm an den Botschafter in London 
Grafen von Beenstorff. 
[Eigenhändiges Konzept.] 
Auf Grund eines Bernst Tel 13. Juli, dem ein eingebender Bericht 
vomrn bin werpfternsschen. eeram me Komn 20. Su Gorß. Dr.os, u03), hafe 
a Auch für die Zulassung des amerikanischen Senerals Sberidan und seines Adjutonten Forsutb mm 
Hauptquartier hat sich BViem e auf die zoischenl des Gesandten Bancroft vom 10. Augufst eingelebt;. 
dagegen mußte im militörischen Interesse von weiteren Befürwortungen abgesehen werden. Am 28. August 
telegraphierte Bismarck an den Gesandten in Walbington Greiberrn v. Gerolt: Wsche aller unbeteiligten 
Offlliere, auch der deutschen, muhten grundsötlich abgelebnt, werden. Sigel zu verstanm igen da ich, wie 
angedeutet, seinem Wunsch nach sorgfältsger Erwögung, militörisch zu nüthen, u meinem auern nicht 
Folge verschoffen kann.“