Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

Preuhen, Stalien und der Papst. Geranl. Mission Klacikos nach Paris. 439 
Lust zu solchen Verhandlungen gewiß nicht vermehren. Ein neuerer Brief des Papftes an 
Königt enthielt nur allgemeine Friedensmahnungen, die der König ebenso allgemein mit Ver- 
sicherung der Sriedensliebe beantwortet hat. — Unser letzter Akt in Bezug auf 
römische Verhältnifsse überbaupt ist die Ablehnung eines uns 
von GFrankreich vorgelegten Vertrages zur Garantie des päpfst- 
lichen Territoriums.:. 
1230. Telegramm an das Auswärtige Amt. 
[Konzept.] 
Nach einem Telegramm des Gesandten in Konstantinopel Graf Kepjerling vom 5. Auguft batte 
lich ein Angehöriger der italienischen Kolonie in Konftantinopel, namens Geraui, ein Freund 
Garibaldis, ihm gegenüber zu einer Unternehmung erboten, die die itolienische Regierung vollständig 
beschäftigen und vielleicht sogar Srankreich besorgt machen würde. Dafür verlangte er freilich 
200 000 bis 300 000 Taler. 
Antwort auf Celegramm 23. Homburg (Pfal), den 8. Auguft 1870. 
Es Kommt alles darauf an, ob der von Graf Kepserling genannte Agitator imstande ist, 
zu leisten, was er verspricht; könnte er es, so wäre die Sache für uns wohl des Aufwandes 
wert. Sagen Sie Graf Kexpferling, er möge den Mann prüfen und näheres über seine 
Verhältnisse und Pläne melden. 
*1231. Telegramm an den Gesandten in Detersburg 
Helurich VII. Drinzen Reuß. 
[Abschrift.] 
Aus einer polnischen Quelle hatte Bismarck erfahren, daß der seit Sebruar 1870 (ogl. dam 
Nr. 1511) in der Wiener Hof- und Staatskanjlei als Minilterialrat angestellte Julius Klaczko 
zwecks Abschlusses eines ölterreichisch-französischen Bündnisses nach Daris geschickt worden sei. 
Da Klachko in Petersburg als ein kanatischer Gegner auch Auhlands bekannt war, so hielt 
Biemarck es für angezeigt, die Machricht warnend an Aeuh weiterzugeben. 
Homburg (Pfals), den 9. August 1870. 
Aus beachtenswerter Quelle (wie ich für Ew. pp. perfönlich bemerke: eines in Belgien 
von der Politikk mrückgezogen lebenden Grafen Cyskiewicz) wird mir über die Sendung von 
Klaczko nach Paris mitgeteilt: der Sweck sei Abschluß eines Bündnisses zwüschen Frankreich 
und Österreich und Bewaffnung und Organisation der östlichen galizischen Distrikte. Klaczkos 
in Wien approbierte Idee soll eine Föderation der katholischen Slawen unter Osterreichs 
Protektorat als Gegenfatz gegen die orthodogen Slawen unter Auhland seinl Polen westlich 
1 Vgl. dazu Nr. 1706. 
* Vgl. daju Die Gesommelten Werke Bd. VI, Ar. 623. Vorbem. Es. wurde wischen Mainz und 
Verlin erwogen, ob nicht auch dieser Verkragsentwurf zweckemähig zu veröffentlichen sein würde. Am 
12. August telegraphierte Bismarck dieserhalb nach Verlin aus St. Avold: „Ich wünsche den von Fronk- 
reich vorgelegten, von uns abgelehnten Bertrag über Rom vom Vovember 1866 nicht zu veröffentsichen. 
wobl aber, dah die Gesandtschaft in Sloren# moerlässige, für uns gutgelinnte Personen vertraulich davon 
Einsicht nehmen lasse. Ich bitte die Gesandtschaft in Florenz bierzu anzuweisen und, wenn sie Abschrift des 
Vertragsentwurfs nicht baben follte, ihr denfelben, sedoch nur zu diesem Swecke. mu schicken“.