Volltext: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

38 Die Sendung des Herzogs von Aatibor mm Jubiläum Dius' L. 
Der Seldjäger überbringt Ihnen zu demselben Sweck auch die Porzellanvase, welche 
Seine Alajestät zum Geschenk für den Papst bestimmt hat. 
Das ZSeremoniell für die Audienz des Herzogs von Natibor, die Auffahrt desselben und 
die Uberreichung des Schreibens und des Geschenkes in einer der Stellung des Abgesandten 
Seiner Majestät und dem Range des Herzogs angemessenen Weise zu ordnen, darf ich, wie 
ich Cw. pp. bereits telegraphisch mitgeteilt habe, dem Lakte Ew. pp. und den dabei beteiligten 
römischen Behörden anheimgeben. Ich kann mir diese Aufgabe nicht als sehr schwierig vor- 
stellen, da es nicht im Interesse des Dapstes liegen kann, diesen Beweis der Aufmerksamkeit 
eines mächtigen protestantischen Monarchen mit Geringschätzung zu behandeln, und da ich auch 
voraussetzen darf, daß der Kardinal Hohenlohe, dessen perfönliches Berhältnis um Papst 
noch immer ein gutes zu sein scheint, bemüht sein werde, seinem Bruder die rechte Stellung 
zu verschaffen. - 
Will man die ganze Sendung nicht in dem Sinne entgegennehmen, in dem sie gemeint ist, 
so würde es allerdings möglich werden, daß sie noch im letzten Augenblick zurückegezogen würde. 
Ich bege indes keinerlei Befürchtung der Art. 
Eine besondere Charakterisierung als außerordentlicher Botschafter mit einem förmlichen 
Aktkreditiv= ist daher auch um so weniger als erforderlich erschienen, da bis jetzt noch gar kein 
Anzeichen vorliegt, daß solche Botschafter von andern Höfen beabsichtigt werden. Der aus- 
schließlich religiöse und perfsönliche Charakter der Seier, welche nicht den Souverän, sondern 
den kirchlichen Würdenträger zunächst angebt, scheint die bei Krönungen der Souveräne und 
in ähnlichen Sällen übliche Sorm eher auszuschließen. Es wird genügen, wenn Ew. pp. den 
Herzog als persönlichen Abgesondten Seiner Majestät anmelden. 
Wichtig ist mir nur, daß der Charakter der Sendung nicht mißverstanden und ihr nicht ein 
politischer Charakter beigelegt werde, den sie durchaus nicht hat und nicht haben goll. 
Sie ist ein Akt, bervorgegangen aus den perfönlichen Gefühlen der Zuneigung und Ach- 
tung, welche Seine Majestät der König immer für die ehrwürdige Person Dius’ IX. gehegt 
bat, und aus der Rücksicht auf die Empfindungen der Pietät, mit welcher die katholischen 
Untertanen Seiner Majestät diesen Cag feiern werden. Jene Suympatbien für die Person des 
Dapstes und diese Mücksichten auf die religiösen Interessen der katholischen Bevölkerung 
Preußens und Deutschlands durften sich um so unbefangener bei einer Gelegenheit äußern, 
welche an sich gar keine politische Bedeutung hat und daher auch gar keine Schlüsse auf unsere 
politische Haltung mläßt, sondern nur Veranlassung werden kann, die wohlwollende Sür- 
sorge der preußischen Könige auch für die katholische Kirche von neuem zu dokumentieren. 
Ich bitte Ew. pp. diese Gesichtspunkte sich bei allen hren Außerungen und in Ihrer ganzen 
Haltung zur Aichtschnur dienen zu lassen und auf die Verhütung von Mißverständnissen und 
falschen Auslegungen bedacht zu sein. 
1361. Erlaß an den Geschftstrdaer in Florenz 
Grafen von Wesdehlen. 
(Konrtept von der Hond des Vortragenden ARats Abeken.) 
Vertraulich. Berlin, den 3. April 1869. 
Der Feldjäger, welcher Ew. pp. diesen Erlaß übergeben wird, hat die Bestimmung, nach 
Nom weiter zu gehen und dorthin ein Schreiben Seiner Majestät des Königs und eine Por- 
2 Eine solche Nangoverleihung war von Arnim angeregt worden.