46 Bismarck rät Belgien pu „ruhiger, aber fester“ Haltung.
Der Königliche Gesandte hat seinem Kollegen auf jene Eröffnungen in angemessener
Weise geantwortet: daß er nicht wisse, ob Preußen überhaupt berufen oder berechtigt sei,
Belgien irgendeinen Nat zu erteilen, daß aber, wenn dies jemals der Fall sein sollte, derselbe
wohl immer nur konzilianter Natur sein könne. Es ist selbstoerständlich, daß wir auch in
Jukunft in provosfierender oder aufregender Weise nicht einwirken werden, so wenig wie
wir es bisher getan; wir müssen aber auch jeden Druck oder Anschein des Druckes auf Belgien
ulnd)] alles, was die etwaige Cnergie der dortigen Regierung ulnd] ihr Vertrauen in die Sukunft
mindern könnte', sorgfältig vermeiden. Es kann uns nur erwünscht sein, wenn Belgien eine
ruhige, aber feste Haltung bewahrt; und wir müssen uns jeder Sinwirkung enthalten, welche
es darin hindern oder stören könnte“.
*1366. Erlaß an den Gesandten in Stuttgart
Freiherrn von Rosenberg.
Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.)
Berlin, den 9. April 1869.
Die Solgerung, die Ew. pp. in Ihrem Bericht vom &. d. M., betreffend die Liquidations-
Kommission, aus meinem Erlaß Nr. gezogen haben, daß wir auf das Shnen am 6. Februar#
bezeichnete Drogramm (Gortsetzung des Miteigentums und wechselseitige Inspizierung) nicht
ferner Wert legten, nötigt mich, zu einer Erörterung zurückzukehren, auf deren Verlängerung
2 Die Worte: „ulnd) alles, was ..“ eigenhändiger Einschub Bismarcks.
In einem Erloß an den Grafen Solms vom gleichen Cage über denselben Segenstand fügte Bis-
marck am Schluß die folgende Wendung hinm: Wir müssen vor allem den Anschein vermeiden, „als Ktänden
wir in dieser ganfen Angelegenheit in Berehungen m der belgischen Regierung, oder als säben wir mit
irgendeinem Grade von Angstlichkeit etwaigen weitern Entschliehungen Frankreichs entgegen, wie sie auch
ausjallen möchten“. Der Erlaß wies Graf Solms an, sich darüber ausmilassen, „welches Gewicht den
Auberungen des Marquis de Cazaux nach seiner Perfönlichkeit und der Stellung, welche er in aris hat,
beizulegen sein möchte“, und ob Solms es für möglich balte, dah man von Paris aus ihn wirklich m der-
artigen ganz vertraulichen Cröffnungen ermächtigt hätte, um sie auf diesem Umwege an uns gelangen
zu lassen. Seinerseits war Bismarck nicht eben geneigt, an diese letztere Möglichkeit zu glauben, eben-
lowenig war ihm wahrscheinlich, daß man sich in Paris mit einem geringen Sugeständnis in Tarif-
fragen begnügen werde. „Sollte dies aber dennoch der Sall sein, so würden wir unsererseits gern be-
müht sein, ohne direkte Cinmischung oder Ausübung einer Pression auf Belgien doch die friedlichen und
versöhnlichen Auffassungen der franzölischen Regierung zu unterstützen, wenn wir wüßten, daß wir ihren
eigenen Wünschen dadurch entgegenkömen“. Die Antwort Graf Solms vom 11. April fiel dahin aus,
daß Marquis de Cazaux in dem Wunrsch, sich als Geschäftsträger in Szene zu setzen, auf eigene Jaust
ehandelt haben, jedenfalls aber über die Aufträge seiner Aegierung hinausgegangen sein dürfte. Die
Gereltwilligeen, die Bismarck bei dieser Selegenheit an den Tag gelegt hat, etwaige ztriedlice und
verlöhnliche Auffasiungen“ der franzölischen Regierung zu unterstützen, r-- wie schief die von H. Wichael
„immer erneuten Anjapfungen und Verleumdungen Preußens“ an Palan, rieg, „In solchen Sällen, wo
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glqu vdzllklgekqgäamqqlshlg Its-sit — E— entfernt war, Händel mit Rapoleon zu suchen.
1366. 1 Siehe Nr. 1349.
: Siebe Bd. VIa, Ar. 1307, S. 541 f.