Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

Nechtfertigung der Konzessionen an Bauern. 599 
Aoch weniger kann ich glauben, daß Anstoß genommen wird an den in den diplomatischen 
Beziehungen an Bayuern eingeräumten Shrenrechten, wie die Substitution der bayprischen 
GSesandten und die Bildung eines Ausschusses für die auswärtigen Angelegenheiten im 
Bundesrat; die einheitliche Leitung der letzteren wird dadurch nicht gefährdet, da Bapern 
auf jede Teilnahme an der Instruierung der Gesandten verzichtet hat. Der Ausschuß wird an 
den Befugnissen des Dräsidiums in keiner Weise teilnehmen, sondern nur zum Vortrag der 
betreffenden Sachen im Bundesrat dienen. 
Eher läßt sich allerdings erwarten, daß der auf das Kriegswesen des Bundes bezügliche 
Teil der Verträge zu eingreifenden Diskussionen Beranlassung geben, und daß die in dieser 
Beziehung an Bagern gewährten Konzessionen Widerspruch finden werden. Meiner Über- 
jeugung nach aber steben diese Konzessionen und die ganze an Bayern eingeräumte Stellung 
der nationalen Entwicklung Deutschlands nicht im Wege; es ist vielmehr alles erreicht, was 
wesentlich notwendig ist, um das bayrische Heer zu einem integrierenden und wirksamen Teile 
des Gesamtheeres Deutschlands zu machent, ulnd) die Geschlossenheit Deutschlands nach 
außen, wie seine Entwicklungsfähigkeit im Innern m sichern. Mit der Erreichung des 
Wesentlichen aber mich zu begnügen und den Abschluß nicht an dem jetzt Unerreichbaren 
scheitern zu lassen, schien mir durch die Umstände geboten. Daß anderes und mehr rechtzeitig 
ulnd] ohne Streit= nicht zu erlangen war, davon mußte ich nach der Natur der Berhandlungen 
und mit Rücksicht auf die Derfönlichkeit des Sürsten, der, falls ihm die Sache zu unbequem 
würde, sich ohne Zweifel jeder weitern Möglichkeit der Instruktionseinholung entzogen haben 
würde, mich überzeugt halten. Eins innrer Streit aber, der die Deutschen vor Europa 
uneinig erscheinen ließe, könnte in diesem Augenblick unberechenbare Aachtheile für uns in 
unfren Beziehungen zu Grankreich wie zu den NReutralen haben. Wäre fetzt kein Abschluß 
erfolgt, so war der Ausbruch einer beftigen parlamentarischen ulnd] publicistischen Polemik 
in Deutschland vorherzusehn, ulnd) die Verstimmungen würden sich, unter auswärtiger Bei- 
bülfe, den verschiedenen Schichten mitgetheilt baben. Gegenüber den Aussichten auf den 
Abschluß des Krieges durch einen Frieden mit Grankreich, gegenüber den neutralen Mächten 
und der immer noch nicht abzuweisenden Wöglichkeit einer Einmischung derselben, gegenüber 
endlich der neuen Krise, mit welcher die europäischen Verhältnisse durch den rufsischen Schritt 
bedroht sind, wollte ich die Berantwortlichkkeit nicht auf mich nehmen, die deutschen Verhält- 
nisse in der Schwebe zu erhalten und anstatt der gehofften Einbeit und Susammenfassung der 
gesamten deutschen Wehrkraft dem Auslande ein in sich gespaltenes und uneiniges Deutsch- 
land gegenüber zu stellen. Will der Reichstag sich mit dem Erlangten nicht begnügen und 
durch Verwerfung desselben alles wieder in Frage stellen, so muß er für die Solgen die Ver- 
antwortung tragen, welche die Regierung Seiner Moajestät zu übernehmen sich nicht getraut. 
Die Reichstagsbeschlüsse über den Bertrag müßten dem bayrischen Landtage vorgelegt 
werden; die ganze Sache fällt, wenn sie von diesem verworfen wird. Die Verwerfung wäre 
sehr wahrscheinlich, wenn befürchtet werden müßte, daß die baprische Regierung, nachdem sie 
selbst unter der Pression des Augenblickes mehr konzediert hätte, als“ sie ausmführen wünscht, 
ihr Gewicht im Landtage unter der Hand für die Berwerfung einfetzte ulnd] vom Landtage 
den Dienst erwartete, den uns unter anderen Umständen der Reichstag bätte leisten 
Der VRest des Satzes eigenböndiger Fusatz Bismarcks. 4 
* Die Worte: „rechtjeitig ulnd) ober Strelt“ rigentändiger, Einschub Bismarches. 
arcks. 
* Dle beiden foigenden Säte eigenhändiger Fusatz Bismar 
Der Nest die Sayea rigesbglott Korrektur Bismarcks.