54. Neuere oberſtrichterliche Erkenntniſſe.
Ueberſicht .
über die Rechtſprechung des bayeriſchen oberſten
Landesgerichtes in Gegenſtänden des Civilrechtes
und Civilprozeſſes
vom 1. bis 15. Dezember 1879.
Bemerkung: Die Urtheile vom 4. Dezbr. HVNr. 5225,
10. Dez- HBNr. 54133 und 15. Dez. HVNr.
5489 werden nachgetragen.
Sachenreht. Redlicher Beſikerwerb be-
züglich einer im notariellen Vertrage nicht
aufgeführten Plannummer. Allg. preuß.
LR. Mittels notariellen Vertrages v: 28. Juli
1875 hatte R. von ſeinen Eltern deren Anweſen
erworben und damit eine Wieſe Pl.-Nr. 538, an
welcher ſich ein StüF> Land hinzieht, welches von
dem Beſißer jener Wieſe, und vom 15. Oktbr. bis
4. Mai auch von Anderen, als Weg benüßt wurde,
bei der Kataſtrirung eine eigene Pl.-Nr. 537 erhal-
ten hatte und der Gemeinde E. zukataſtrirt, aber
dem R. von deſſen Eltern mit übergeben worden
war, ohne daß die Pl.-Nr. 537 im gedachten Ver-
trage wäre mit vorgetragen worden. Später kam
e8 jenes StüFes Landes wegen zu einem Rechts-
Streite, worin R. dasſelbe auf Grund Z0jähriger
Verjährung als Eigenthum in Anſpruch nahm, und
hiebei fragte e8 ſich: ob R. als redlicher Beſiker
des fraglichen Landſtü>e8 angeſehen werden könne,
nachdem der Vertrag, auf Grund deſſen R. in Beſiß
gefommen ſein wolle, zur Rechtsgiltigkeit der 107
tariellen Verbriefung bedurft habe, das fragliche
Objekt aber mit einer beſonderen VPl.-Nr. verſehen,
dieſes dem R. bekannt geweſen, und dieſe Pl. - Nr.
in jenem Vertrage nicht erwähnt ſei? Das Obrſt.
LG. bejahte dieſe Frage aus folgenden Gründen?
Wer einen Eigenthumserwerb mittels 30jähriger
Verjährung wolle geltend machen, müſſe allerding