Fünftes Kapitel.
Das Jahr 1915.
Betrachtungen zur Jahreswende.
D% Jabreswende 1914/I/ bot dem zu ernster Rechenschaft Genelgten
besonderen Anlaß zu Betrachtungen, die über den engeren
Gedankenkreis der örtlichen Kampfverhältnisse hlnaus der Gesamtlage
gewidmet waren. Daß ich diese damals im Strom der Entwicklung in
mancher FZinsicht anders und günstiger ansah als heutigestags im Rückblick
auf die geschichtlichen Tatsachen, ist wohl begreiflich. Nach meiner
ganzen Anlage war ich Optimist. Menschen, die von Natur auf das
Wörtchen „Aber“ elngestellt sind, waren mir von jeher unsympathisch.
Sie dlenten nach meiner Auffassung nur dazu, die Schaffensbraft und
den Tatendrang anderer zu lähmen. Ich hütete mich aber sehr wohl,
meinen Optimiemus in Mlusioniemus ausarten zu lassen. In der Tat,
wer die reine vaterländische Begeisterung unseres Volkes, das Schweigen
des Harteigezänks, die Opferwilligbeit, dle zielbewußte Anspannung unserer
Dolbs-- und Wirtschaftebraft und die durch sie hervorgebrachten gewaltigen
Leistungen auf allen Gebieten sah, der hatte berechtigten Grund, an ein
gutee Ende, wenn auch vielleicht nicht mehr an einen restlosen Sieg zu
glauben. Llteferte dieses herrliche Dolk doch den Beweis, daß es im
Innern kerngesund, und seine Masse jedenfalls noch nicht dem Materialtsmus
verfallen war. Trotz dieser zuversichtlichen Grundstimmung gab ich
mich aber schon damals keinen Täuschungen darüber hin, daß die Lage
der Mi#ttelmächte durch das Mißlingen unserer Offensivoperation im
Westen und durch die Lrschütterung unseres österreichisch-ungarischen
Bundesgenossen bltterernst geworden war. «
Was mir am meisten Sorge einflößte, war die Erkenntnis, daß die
Zeit nicht zu unseren Gunsten arbeitete. Mithin kam alles darauf an,
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