302 35. Reichskolonialamt. — 36. Algeciras.
könnte. Die Einheitlichkeit unserer auswärtigen Politik ist wie die
Pflicht, so auch die Sorge des Reichskanzlers. Seien Sie versichert,
daß weder ich noch irgendeiner meiner zukünftigen Nachfolger die
Einheitlichkeit in der Leitung unserer auswärtigen Politik durch die
Errichtung eines Kolonialamts auch nur im mindesten beeinträchtigen
lassen werden.
(Bravol)
Meine Herren, ich habe mich schon vor Jahr und Tag dagegen
verwahrt, als ob ich den mehr formellen Fragen der Organisation eine
übertriebene Bedentung beimessen könnte. Ich habe gesagt, daß auch
die beste Organisation nur wirksam ist nach dem Geist, von dem sie
getragen und geleitet wird. Ich habe aber hinzugefügt, daß eine veraltete
und unzulängliche Organisation großen Schaden anzurichten vermag.
Eine solche veraltete und unzulängliche Organisation kann die besten
Absichten lähmen. Sie kann alle Einsicht und Initiative in Fesseln
schlagen; sie kann dahin führen, daß nützliche Kräfte fruchtlos verbraucht
werden. Alle diejenigen, die mit unserer heutigen Kolonialorganisation
zu arbeiten haben, sind übereinstimmend der Ansicht, daß dieselbe veraltet,
unzulänglich und reformbedürftig ist. Wir alle hoffen, daß dieses
Hohe Haus der nach gewissenhaftester Prüfung für die Förderung der
Reichsgeschäfte wie im Interesse einer sachgemäßen Führung der auswärtigen
und der Kolonialgeschäfte als unabweisbar und unaufschiebbar
erkannten Reform seine Zustimmung nicht verweigern wird.
Und schließlich, meine Herren, möchte ich noch einen Punkt betonen.
Es liegt mir fern, Entscheidungen dieses Hohen Hauses oder einzelner
Fraktionen irgendwelche persönliche Motive unterzuschieben. Ebenso
falsch wie die Behauptung, als ob wegen dieses Staatssekretariats eine
Reichskanzlerkrisis ausgebrochen sei oder ausbrechen werde
(Heiterkeit),
ist nach meiner Uberzeugung auch die Behauptung, daß hier aus persönlichen
Gründen einer an sich berechtigten Forderung Widerstand geleistet
würde. Demgegenüber erkläre ich ausdrücklich, daß ich an allen Stellen
dieses Hohen Hauses nur sachliche Beweggründe voraussetze. Um so
mehr hoffe ich, daß die zweifellose Begründung und das Schwergewicht
dieser sachlichen Gründe Sie zu einem zustimmenden Votum führen möge,
um welches ich wiederholt bitte.
(Lebhaftes Bravo rechts und bei den Nationalliberalen.)