4341 Sachsen von 1815—1833.
regiment durchzufechten und darum keineswegs geneigt die
Waffen ohne weiteres niederzulegen. Nicht mit ausreichender
Vollmacht versehen erreichte die Commission die Beschwichtigung
der Gemüther nicht; besser gelang diese dem Hof= und Ju-
stitienrath Müller, der sie 18. September ablöste. Die ver-
haßte Polizei wurde durch eine Sicherheitsdeputation ersetzt,
was verletzt hatte, zurückgenommen oder gemildert und der
Strom des öffentlichen Unwillens in das ungefährliche Bett
von Beschwerden und Petitionen abgeleitet, die sich fast ganz
auf die Interessen der einzelnen Corporationen beschränkten,
zu einem guten Theil von kläglichen Standes= und Inmungsvor-
urtheilen dictiert waren, überhaupt aber den Beweis vervoll-
ständigten, wie die ganzen leipziger Unruhen nichts als eine
Stadtrevolution ohne jeglichen politischen Beigeschmack gewesen
war. Aber allerdings war bei der engen Verflechtung der
städtischen mit der ständischen Verfassung eine Umgestaltung
jener nicht denkbar, ohne daß nothwendiger Weise auch diese
davon betroffen wurde.
Ganz in ähnlicher Weise ließ sich die Bewegung an, die,
durch Leipzigs Vorgang angeregt, wenige Tage darauf in
Dresden zum Ausbruch kam; nur nahm sie hier dadurch,
daß sie mit der Auflehnung des Geheimen Naths gegen die
Cabinetsregierung zusammentraf, einen für das Allgemeine um
vieles ernsteren Charakter an. Schon seit einiger Zeit gieng
die Partei, welche an Einsiedels Sturz arbeitete, darauf aus, daß
dem Prinzen Friedrich noch bei Lebzeiten seines Oheims ein
Antheil an der Regierung eingeräumt werde. Geheimerrath
v. Könneritz war der erste, der nach den Julitagen diesen
Wunsch dem Grafen Einsiedel vortrug; das erstemal zurück-
gewiesen erneuerte er ihn dringender nach den Vorgängen in
Brüssel, jedoch erst die Nachricht von den leipziger Unruhen
erschütterte die Sicherheit des Cabinetsministers soweit, daß er
den Antrag dem Könige vorlegte, der aber seine Genehmigung
verweigerte; es wurde nur am 9. September beschlossen den
Prinzen in Könneritz' Begleitung als Friedens- und Ordmungs-
stifter nach Leipzig zu senden. Allein dle Reise unterblieb, weil