Jakob II. 175
wurde. In Schottland glaubte der König bei dem Parlamente mehr
Bereitwilligkeit zur Milde gegen die Katholiken zu finden, aber er
täuschte sich; das schottische Parlament wies seine Anträge zurück, weß-
wegen es der König auflöste und nun auch in Schottland von der Test-
akte dispensierte und Unzufriedenheit erregte, die sich noch mehr steigerte,
als er allgemeine Gewissensfreiheit durch zwei Edikte einführte; selbst die
Presbyterianer dankten ihm nicht, weil sie die königliche Gnade mit den
Katholiken theilen sollten. Seine Bemühungen, ein englisches Parla-
ment wählen zu lassen, das in seinen Wunsch einginge, blieben trotz aller
Mühe fruchtlos, und Jakob fuhr fort, katholische Geistliche mit englischen
Kirchenpfründen oder Plätzen in den Universitätskollegien zu versorgen.
Endlich ließ er eine Erklärung abfassen, in welcher er versicherte, es sei
sein Wille, allen Unterthanen der englischen Krone die Gewissensfreiheit
für immer zu gewähren. Diese königliche Erklärung sollte in allen Kir-
chen verlesen werden, aber sieben Bischöfe reichten dagegen eine Bitt-
schrift ein. Als diese gedruckt und an den Straßenecken der Hauptstadt
angeschlagen wurde, ließ der König die Bischöfe verhaften, weil sie als
Pairs keine Bürgschaft stellen wollten. Allein ganz London offenbarte
laut seine Zustimmung zu der bischöflichen Adresse und selbst die Garni-
son bezeigte denselben Geist. Die Bischöfe wurden von den Geschwore-
nen freigesprochen und alsbald loderten durch ganz England Freuden-
feuer, in welchen der Papst im Bildniß verbrannt wurde. König Lud-
wig XIV. von Frankreich, der an Jakob II. wie an Karl II. fortwährend
Millionen bezahlte, um England von der Theilnahme an dem Kampfe
gegen Frankreichs Uebermacht abzuhalten, warnte den König zwar vor
unbedachtsamen Schritten zu Gunsten der Katholiken, war aber dennoch
eine Hauptursache seines Sturzes. Durch die Aufhebung des Edikts von
Nantes nämlich versprengte Ludwig XIV. einige Tausend Hugenotten
nach England, die mit ihren Klagen über den König und die katholischen
Priester England erfüllten und bei dem protestantischen Volke den größ-
ten Anklang fanden; denn dieses hielt zwar die Katholikenverfolgung
in England ganz in der Ordnung, die Protestantenverfolgung in Frank-
reich hingegen erschien ihm als eine gräuliche Tyrannei der Päpftlichen,
und zu diesen gehörte auch Jakob II., von dem, wie es nun hieß, die
gleiche Verfolgung über die englischen Protestanten ergehen werde, wenn
er mit französischer Hilfe die unbeschränkte Königsgewalt in England
hergestellt hätte. Der politische Verstand des englischen Volkes begriff
es serner ganz wohl, daß die französischen Eroberungen über Spanien
und Deutschland auch für Großbritannien gefährlich waren, indem es
früher oder später von dem gallischen Uebermuthe einen Angriff zu er-
warten hatte; König Jakob II. aber sah dem Kriege gegen Ludwig zu,
ja rief sogar die im holländischen Solde stehenden Regimenter zurück, als