Full text: Die Weltgeschichte. Dritter Theil. Die neue Zeit. (3)

594 Die neue Revolutionsperiode. 
und spendeten großartige Geldmittel. Einige Monate lang wurde Luzern 
mit einem bewaffneten Ueberfall aus Nachbarkantonen bedroht, ohne daß 
die betreffenden Regierungen etwas dagegen thaten, und als Luzern vom 
langen Wachehalten erschöpft schien und bereits an den lange angekün- 
digten und nie ausgeführten Zug nicht mehr recht glaubte, erfolgte 
derselbe. 
Der zweite Ireischaarenzug (Mãrz 1845). 
Der Haupteinbruch geschah vom Aargau aus, wo sich Aargauer, 
Baselländler und Solothurner den Luzerner Flüchtlingen angeschlossen 
hatten; diesen Zug befehligte der aargauische Oberst Rothpletz, eine 
bernische Kolonne der Hauptmann Ochsenbein von Nidau. Beide 
fanden von den Luzerner Milizen, deren zerstreute Bataillone größten- 
theils umgangen wurden, nur unbedeutenden Widerstand und drangen 
bis auf die Luzern beherrschenden Anhöhen vor, wagten es aber nicht 
die Stadt anzugreifen, obwohl sie in derselben nicht wenig Freunde 
hatten; im Gegentheil geriethen die Freischaaren bei Einbruch der Nacht 
in die größte Verwirrung, glaubten sich vom Feinde angegriffen, obwohl 
nirgends einer in der Nähe war, feuerten darauf los und traten in 
voller Auflösung den Rückzug an. Auf diesem fiel der größere Theil 
dem Landsturm in die Hände, der sich unterdessen erhoben hatte, nur die 
Kolonne Ochsenbeins entkam so zlemlich mit heiler Haut auf bernischen 
Boden. In den Gefechten bei Malters, Büttisholz u. s. w. waren sehr 
wenig Leute gefallen, auch wurden keine Gefangenen von den Land- 
stürmern getödtet, man gab Pardon, obwohl die Regierung den Fret- 
schaaren, während sie mit ihrem Einfalle noch drohten, verkündet hatte, 
daß sie auf luzernischem Boden nicht als ehrenhafte Feinde, sondern als 
Banditen und Mörder behandelt würden. Die radikalen Blätter aber 
wußten nun schauerliche Dinge zu erzählen, wie Gefallene geschändet, 
Gefangene nicht einfach erschossen oder niedergestoßen, sondern auf kani- 
balische Weise zu Tode gemartert worden seien. Diese Berichte fanden 
Glauben und die anfängliche Niedergeschlagenheit über den schlechten Er- 
folg der von so vielen Seiten her unterstützten Erpedition machte einem 
Ingrimme Platz, der mit Ueberlegung die Mittel zu einem neuen und 
sichern Schlag vorbereitete. Die luzernische Regierung trug zu dieser Er- 
bitterung nicht wenig bei, indem sie ihren Sieg, den ihr allerdings nicht 
ihre militärischen Mittel, sondern die Unordnung und Indisciplin der 
Freischaaren und die Kopflosigkelt der meisten Anführer derselben verschafft 
hatten, als ein Wunder Gottes pries und nicht müde ward, Luzem 
gleichsam als ein heiliges Land, an dem der Himmel sein besonderes 
Wohlgefallen habe, darzustellen. Sie benutzte indessen den Sieg den 
treulosen Nachbarkantonen gegenüber ganz gut; die Gefangenen wurden
	        
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