Full text: Die Weltgeschichte. Dritter Theil. Die neue Zeit. (3)

688 Die neue Revolutioneperiode. 
Parlamentsglieder und Zeitungen den Deutschen mit brutalem Stolze 
und schmählicher Undankbarkeit für die Dienste in den napoleonischen 
Kriegen begegneten. Es versuchte auch eine italienische Legion zu er- 
richten und bewog in Uebereinstimmung mit dem französischen Kaiser 
den sardinischen König am 26. Dezember zu einem Vertrage, laut 
welchem England diesem ein Anlehen von 25 Millionen Lire verbürgte, 
wofür er 15,000 Mann in die Krim schicken und vollzählig erhalten 
sollte; so kam Sardinien in den Chorus der Großmächte, welche eine 
Weltfrage zu entscheiden hatten! Der König von Neapel lehnte die 
gleiche Ehre ab, wie dies auch der König von Schweden that; dagegen 
vermochte Napoleon die Schweiz in sowelt zu engagieren, daß der Bun- 
desrath der Bundesverfassung zum Trotze die Anwerbung einer Legion 
für den französischen Dienst gestattete. England nahm überdies 20,000 
Türken in seinen Sold, die aber erst organisiert werden mußten, und 
auf Weisung Napoleons III. wurde das Korps des Omer Pascha, 
welches seit der Okkupation der Donaufürstenthümer durch die österrei- 
chischen Truppen an der Donau ganz entbehrlich war, nach Eupa- 
toria überführt, welcher offene Ort zu einem Waffenplatze umge- 
schaffen wurde. Um dies zu verhindern, wagte General Chrulew 
auf Menczikows Befehl am 17. Februar 1855 einen Angriff, der aber 
gänzlich mißlang; die Nachricht davon verbitterte die letzten Tage des 
Kaisers Nikolaus und bewirkte vielleicht die Abberufung Menczikows, 
der durch den Fürsten Gortschakow ersetzt wurde, während der Graf 
Osten-Sacken das Kommando in Sebastopol erhielt. Auch Ruß- 
land machte gleich den Westmächten ungeheure Anstrengungen für den 
Krieg im Jahre 1855; es stellte gewiß 700,000 Mann auf und rief 
am 11. Februar die Reichshilfswehr zu den Waffen; allein es hatte 
eine Gränze von mehr als 1000 Meillen Länge zu decken, und bei der 
ungeheuren Ausdehnung des Reichs mußten die Mannschaften Monate 
marschieren, bis sie an ihrem Bestimmungsort anlangten. Während so 
auf beiden Seiten die Rüstungen im großartigsten Maßstab betrieben 
wurden, ruhten auch die Diplomaten nicht, namentlich bezeigte Rußland 
Bereitwilligkeit zum Frieden, weil dieser, so lange Sebastopol nicht ge- 
fallen war, nur zu seinem Vortheil ausfallen konnte. Kaiser Nikolaus 
starb zwar am 2. März 1855 unerwartet schnell an einer Brustkrankheit, 
sein Nachfolger Alerandeer II. aber erklärte, der Politik seines Vaters 
treu bleiben zu wollen, und erneuerte die Vollmachten für seine Bevoll- 
mächtigten Gortschakow und Titow an den Wiener Konferenzen, 
welche am 15. März eröffnet wurden. England wurde durch John Rus- 
sell und Westmoreland; Frankreich durch Bourqueney und 
Drouyn de l'’Huys, die Türkei durch Arif Effendi und Ali 
Pascha, Oesterreich durch Buol-Schauenstein, welcher den Vorsitz
	        
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