Der Heldenkampf um Sebastopol. 689
führte, und Prokesch von Osten vertreten; Preußen blieb ausge-
schlossen, weil es dem Vertrag vom 2. Dezember nicht beigetreten war.
Die Verhandlungen dauerten bis zum 4. Juni, scheiterten aber an dem
dritten Garantiepunkte, durch welchen die Westmächte die russische See-
macht im schwarzen Meere beschränken wollten; ein vermittelnder Vor-
schlag Oesterreichs, für welchen dieses nöthigenfalls mit den Waffen
einstehen wollte, wurde von den Westmächten abgelehnt.
Der Beldenkaumf um Sebastopol: 7. Juni Erstürmung des Mamelon vert; 18. Juni
mlücklicher Bauptsturm; 16. August Schlacht an der Sschernaja; 8. September
der Malachow erstürmt.
Also mußte der Gang des Krlegs entscheiden, der während der
Unterhandlungen heftiger als vorher fortgedauert, aber noch immer kein
entscheidendes Resultat gegeben hatte. Gegen Ende Februars wurde
der Hauptangriff gegen die Ostseite Sebastopols gerichtet, welchen die
Franzosen jetzt gleichfalls übernahmen, so daß die Engländer die Mitte
bildeten. Die Russen begegneten, geleitet von dem Ingenieur Tott-
leben (geb. 1818 zu Mietau in Kurland), dem erweiterten Angriffe
mit ebenso viel Geschicklichkeit als Muth; sie bauten vor den bedrohten
Bastionen, deren wichtigste die des Malachowhügels war, dret starke
Schanzen und hinderten das Vorrücken der Belagerer durch wüthende
Ausfälle. Diese beschoßen hierauf den Platz vom 9. bis 23. April
aus 508 Geschützen des schwersten Kalibers (mit 36= bis 200pfündigen
Kugeln) und warfen während der Nacht, um den Russen keine Ruhe
zu lassen, Bomben und Granaten; allein die Festungswerke litten wenig
Schaden, und den Verlust an Mannschaft (täglich gegen 500 Mann)
ersetzten die Russen aus ihrer Feldarmee; ihr sicheres wenn auch schwä-
cheres Feuer kostete die Verbündeten täglich gegen 150 Mann, und als
am 6. Mai der gewöhnliche Geschützkampf wieder eintrat, waren die
Verbündeten den russischen Werken nicht viel näher gekommen. Dage-
gen erschwerten sie die Verproviantirung Sebastopols und der russischen
Krimarmee bedeutend, indem sie (vom 22. Mai bis 15. Juni) die
Straße von Kertsch, den Eingang in das asowsche Meer, erzwangen,
mit leichten Schiffen die Küstenplätze dieses seichten und trüben Meeres
(von den Alten daher Palus Maeotis genannt) überfielen und die Vor-
räthe verbrannten, welche der russischen Armee zu gute gekommen wä-
ren; auch hinderten sie die Kommunikation, welche das innere Rußland
über die Landzunge zwischen Genidscht und Arabad mit der Krim unter-
halten hatte. Vor Sebastopol übernahm Pelissier am 19. Mai das
Kommando, nachdem das Belagerungsheer, das durch eben eingetroffene
Verstärkungen bis auf 174,500 Mann (100,000 Franzosen, 14,500
Sarden, 32,000 Engländer, 28,000 Türken unter Omer Tosch) an-
Bumüäller, Neue Zeit. 6. Aufl.