Volltext : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

der  Autorität  und  Schlagfertigkeit  des  Heeres,  um  zum
Widerstande  befähigt  zu  sein,  wenn  ein  Diktatfriede
aufgezwungen  werden  sollte.  Hat  er  damit  nicht  Recht
gehabt?  Das  deutsche  Volk  hatte  die  weitestgehenden
demokratischen  Rechte  erhalten.  Die  alte  Autorität  konnte
in  der  höchsten  Gefahrstunde  nicht  entbehrt  werden.  Den
schmachvollen  Waffenstillstand  mußte  auch  die  O.  H.  L.
unterschreiben,  nicht  weil  wir  wehrlos  waren,  sondern
weil  das  Feldheer  mit  der  Revolution  im  Rücken  den
Kampf  nicht  fortsetzen  konnte.

Alle  Schuld  an  unserem  Unglück  hat  das  Volk  auf
seinen  alten  Kaiser  gehäuft.  Als  Sohn,  der  niemals  ein
blinder  Bewunderer  gewesen  ist,  muß  ich  hier  Gerech—
tigkeit  im  Urteil  über  meinen  Vater  fordern.  Seit  drei
Jahren  wird  er  mit  Schmähungen  überhäuft  —  von
den  Parteien  der  gegenwärtigen  Reichsregierung,  die
jeden  Mißerfolg  immer  noch  dem  Schuldkonto  des  alten
Regimes  und  im  besonderen  dem  Kaiser  zuschieben,  von
den  Helden  zur  äußersten  Linken  und  —  auch  von  rechts.
Das  ist  menschlich  und  geschichklich,  aber  nicht  gerechk.
Auch  mein  Vaker  war  ein  Mensch,  auch  er  war  mürbe
geworden.  Haben  nichk  Stärkere  in  diesem  Kriege  ihre
schwache  Stunde  gehabt?

Was  ist  auf  diesen  empfindsamen  und  friedlichsten
aller  Fürsten  in  diesem  Kriege  nicht  alles  eingestürmt!
Das  leßte  Kriegsjahr  brachte  eine  Enkkäuschung  nach
der  anderen.  In  den  letzten  Monaten  reihke  sich  eine
Hiobsbokschaft  an  die  andere,  und  in  den  letzten  Tagen
und  Stunden  brach  alles  um  ihn  zusammen.  Er  war  ent—
schlossen,  den  Weg  der  Pflicht  zu  gehen  und  auf  diesem
Wege  zu  kämpfen  und  auch  zu  fallen.  Er  stützke  sich

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