IV. Reformation und ständisches Regiment. 227
hatte. Obenein war nach dem Tode Friedrichs Joachims Sohn
zweiter Ehe, Sigiomund (geb. 1538), an die Spite des Magdeburger
Domkapitels berufen worden. Nicht bloß die Katholiken
meinten, daß namentlich deshalb die brandenburgischen Bevollmächtigten
sich so hartnäckig gegen den geistlichen Vorbehalt
stemmten. Erst als er sah, daß ohne dies der Friede überhaunt
nicht zu stande kam, riet Distelmeyer seinem Herrn, die von
Kursachsen vorgeschlagene mildere Fassung anzunehmen, zumal
die von König Ferdinand erteilte Deklaration und Assekuration
künftigen Mißbrauch auszuschließen schien. So stimmte Joachim
zu, freilich nicht ohne ernste Bedenken. Waren doch die Schwierigkeiten,
die ihm aus dem geistlichen Vorbehalt zu erwachsen
drohten, von ihm selbst verschuldet durch die Schonung, die er
aus Vorliebe für katholische Formen gegen die Bistümer geübt
hatte und noch übte.
Trotz der Niederlage nämlich, die das von ihm persönlich
vertretene kirchliche System erlitten hatte, hielt Joachim nicht
bloß die lutherische Lehre für vereinbar mit den Formen der
katholischen Kirche, sondern traute dem Papsttume den Evangelischen
gegenüber eine ähnliche Weitherzigkeit zu. So dachte
er sich vor allem die Gunst und Gnade der Habsburger zu sichern.
Daher zeigte er auch in der Folge auf neue päpstliche Lockungen
nicht übel Lust, sich in den Dienst neuer Unionsbestrebungen
zu stellen. Er nahm den päpstlichen Nuntius Commendone, der
ihn zu dem erneuten Tridentiner Konzil einlud, mit demonstrativer
Freundlichkeit auf. Er bekannte, durch ihn zu einer
Fülle ernster Gedanken angeregt zu sein und erbat ein Spänchen
vom Kreuz Christi, um es einem kostbaren Kruzifir einzufügen.
Durfte Commendone da nicht hoffen, ihn noch näher an das
Papsttum heranzuziehen? Seine Gemahlin war eine eifrige
Katholikin; Sigismund, der Magdeburger Erwählte, versprach
nach Trident zu kommen und besondere Ergebenheitsbeweise zu
geben, und Distelmeyer, nach Weinlebens Tode 1558 zum Kanzler
aufgerückt, erörterte mit dem Nuntius die Bedingungen, unter
denen das Konzil beschickt werden könnte. Sogar die überlebten
Disputationen holte Joachim noch einmal hervor und wohnte
den drei Redeturnieren bei, in denen der Frankfurter Professor