Full text : Verhandlungen der Zweyten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Bayern im Jahre 1827/28. (13)

312  Preußische  innere  Politik.  Anfang  1868.  1868

und  die  protestantische  Bevölkerung  durchgängig  national
gewählt  hatte.#1)

In  dem  Wahlkampfe  wurde,  wie  sich  versteht,  ein  Weniges
auch  von  Zöllen  und  Steuern  gesprochen,  aber  der  Brennpunkt
  der  Verhandlungen  war  und  blieb  aller  Orten  die
Frage  der  nationalen  Einheit,  bei  der  damaligen  Lage  also
die  Erweiterung  des  Zollparlaments  zum  Vollparlament  oder
der  Eintritt  Bayerns  in  den  norddeutschen  Bund,  der  von
der  Fortschrittspartei  lebhaft  begehrt,  von  der  klerikalen  heftig
zurückgestoßen  wurde.  Bei  den  Volksmassen  hatte  die  letztere
ganz  entschieden  die  Oberhand.  Wir  sind,  hieß  es,  viel  echtere
Deutsche  als  die  Preußen;  deshalb  wollen  wir  freie  Bayern
bleiben.

Noch  entschiedener  war  endlich  in  Württemberg  die
Niederlage  der  nationalen  oder,  wie  sie  dort  kurzweg  genannt
wurde,  der  preußischen  Partei,  der  schwäbischen  Preußen,  die
noch  schlimmer  seien  als  die  preußischen.  Auch  dort  traten  vom
ersten  Tage  des  Streits  die  wirthschaftlichen  Fragen  vor  der
politischen  in  den  Hintergrund.  Wir  sahn,  wie  gleich  nach
der  Ratification  des  Zollvereins  das  Ministerium  erklärte:
Württemberg  hält  den  Wehrbund  und  den  Zollbund,  damit  ist
es  aber  auch  genug.  Dagegen  erhob  sich  auf  der  Stelle  die
nationale  Partei:  der  Zollverein  sei  gut  und  schön,  aber  sein
höchster  Werth  bestehe  darin,  daß  sein  Parlament  die  Brücke
zu  der  vollen  Einheit  Deutschlands,  zu  dem  Eintritt  Württembergs
  in  den  Nordbund  bilden  könne  und  bilden  müsse.  Um
die  Nothwendigkeit  dieses  Schrittes  darzulegen,  ergingen  ihre
Organe  sich  in  bitterer  Kritik  der  vorhandenen  Zustände  in
Württemberg,  wo  das  Schreiberregiment  allmächtig,  die

Schultheß,  Geschichtskalender  1868,  S.  141.