204 Rechtsprechung.
Wenn das Gesetz in § 39 Nr. 1 verlangt, daß die einzelnen Orte, an denen
dem Verurteilten der Aufenthalt versagt sein soll, bestimmt werden, so will es
damit lediglich die Polizeibehörde zwingen, in jedem Falle speziell zu prüfen,
an welchen einzelnen Orten ihres Bezirkes dem Verurteilten aus polizeilichen
Gründen der Aufenthalt zu verbieten ist oder gestattet werden kann, sie aber
keineswegs hindern, ihm, wenn sie dies in polizeilichem Interesse für erforderlich
erachtet, den Aufenthalt an jedem einzelnen bestimmten Orte ihres Bezirkes
und somit im Erfolge im ganzen Umfange ihres Bezirkes zu untersagen. Ein
vernünftiger Grund, weshalb mindestens immer ein Ort des Bezirkes dem
Verurteilten offen bleiben müsse, ist nicht ersichtlich.
Insbesondere muß diejenige Polizeibehörde, deren Bezirk nur einen
Ort umfaßt, für befugt erachtet werden, dem Angeklagten den Aufenthalt an
diesem einen bestimmten Ort und damit im ganzen Umfange ihres Bezirkes
zu verbieten. —-Die
Freisprechung konnte hiernach nicht aufrecht erhalten werden. Feriensenat
D. 636/06; Urteil vom 28. Juli 1906.
8 46, 48 SteB. Strafbarkeit des Anstifters trotz Rücktritts des Täters.
Die in dem angefochtenen Urteil zum Ausdruck gelangte Meinung, durch
den in § 46 Nr. 1 StGB. vorgesehenen Rücktritt des Täters vom Versuch werde
die Tat als solche straffrei und es müsse die Strafbarkeit der Anstiftung zu dem
versuchten Verbrechen im Falle des Rücktritts verneint werden, weil die „Tat"“
als nicht begangen zu gelten habe, ist rechtsirrig. Wie in feststehender Rechtsprechung
angenommen wird, befreit vielmehr der Rücktritt vom Versuch nur
den Täter persönlich, nicht auch die Teilnehmer. Hat daher der Angeklagte,
wie das Urteil annimmt, auf den Zeugen St. eingewirkt, um diesen zur Ablegung.
eines falschen eidlichen Zeugnisses zu bestimmen, und hat demnächst — worüber
das Urteil keine Auskunft gibt —infolgedessen St. auch nur einen Versuch
des Meineids begangen, so wäre die Tat des Angeklagten auch im Falle
des Rücktritts des Täters als Anstiftung zu bestrafen und nicht aus § 159 St G.,
dessen Anwendung voraussetzt, daß der Verleitete sich einer wissentlichen vollendeten
oder versuchten Verletzung der Eidespflicht überhaupt nicht schuldig macht
oder doch nicht infolge der vorausgegangenen Verleitung.
Bei wiederholter Verhandlung der Sache wird daher zu prüfen sein, ob
der Zeuge St. und zwar infolge davon, daß der Angeklagte ihn durch Drohungen,
Erregung eines Irrtums, Ueberredung oder andere Mittel dazu bestimmt hatte,
bei einer eidlichen Vernehmung wissentlich unwahre Angaben gemacht hat. Von
dem Ergebnis der Verhandlung in dieser Beziehung wird vor allem auch die
fernere Zuständigkeit der Strafkammer abhängen (§ 270 St PO.). Feriensenat
D. 728/06; Urteil vom 28. Juli 1906.
123 StEB. Gemeinschaftlicher Hausfriedensbruch.
llerdings spricht der Vorderrichter zunächst aus, „der Angeklagte M. ser
gerade in das Haus getreten, auf den Lärm aufmerksam geworden, die Treppe
hinaufgeeilt und mit den Worten in das Zimmer gestürzt „ihr verdammten Hunde“,
um dort für die ihm befreundeten übrigen Angeklagten Partei zu ergreifen“, sagt
hierzu aber an einer späteren Stelle „der Angeklagte M. sei mit der Absicht und in
dem Bewußtsein, seinen Kameraden beizustehen und gemeinschaftlich mit ihnen
die Gegner zu verprügeln, in das Zimmer eingedrungen“. Wenn die Strafkammer
daher in Verbindung mit den übrigen gegen die Mitangeklagten über
ihr Eindringen in das Zimmer und die zwischen den Angeklagten herrschende Ein-