Contents : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Verhältniffe  in  Stalien.  Zweite  Ehe  DttoS.  141

ihn  Qudwig  II  von  Burgund,  im  Sahre  915  fein  Gegner,  Herzog
Berengar  von  riaul;  nach  defjen  Tode  oder  Ermordung  924  jtanden
fih  ein  neuer  König  von  Burgund,  Hugo,  und  ein  Markgraf
Berengar  von  Iorea  gegenüber.  Die  Araber,  die  eine  Burg  am
arigliano  erbaut  hatten,  juchten  ganz  Mittelitalien  mit  Brand-Ichaßungen
  heim  und  drangen  im  Jahre  926  bi8  vor  Rom.  Lberitalien
  beunruhigten  fie  in  derjelben  Weile  von  dem  Naubneft  aus,
das  fie  in  Frazinetum  an  der  füdgalliihen  Küfte  fich  gegründet
hatten;  von  Dften  her  famen  jeit  899  die  Ungarn,  deren  Züge  fich
eritredten,  fomweit  e8  etwas  zu  rauben  gab.  Die  Unficherheit  aller
Berhältniffe,  der  Wechjel  der  Herren,  die  vielgeftaltige  Not  rief  fittliche
  Berwilderung,  Tyrannei,  Treulofigkeit,  Hügellofigfeit  hervor,
und  unheilvoll  wurde  vor  allem,  daß  die  Stätte,  die  im  Bemwußtjein
  der  Zeit  die  Höchfte  Autorität  in  fich  Tchloß,  die  allgemeine
DOrafelftätte  ver  Chriftenheitt  —  Rom  —  von  diefem  Verderben  mitergriffen
  wurde  Das  Bapfttum  felbft  war  nur  eine  Karte  im
Spiel  oder  Streit  der  Barteien  geworden:  eine  Adelsfaktion  und
mächtige  Samtlie  oder  ein  paar  ränfevolle  und  zuchtlofe  vornehme
Weiber  beftimmten  die  zu  Wählenden  und  beherrichten  die  Wahlen:
eine  derjelben,  Marozia,  ließ  von  ihren  zwei  Söhnen  den  einen  als
Sohann  XI  zum  Bapft  ausrufen,  während  der  andere,  Alberich,  die
weltliche  Gewalt  ausübte.  Junäcdhit  aber  waren  es  die  Verhältnifje
in  Oberitalien,  dem  Langobardenreich,  das  ja  früher  mit  dem  fränfiichen
  Reich  verbunden  gewwejen  war,  die  den  König  Otto  nad)  Italien
riefen.  Dieje  Berhältniffe  bilden  nur  entfernt  einen  Beftandteil  der
deutjchen  Gejchichte:  die  Summe  ift,  daß  feine  Hilfe  in  Anjpruch  genommen
  wurde  von  der  noch  jugendlichen,  ebenjo  wegen  ihrer
Anmut  al  ihrer  Tugend  gerühmten  Witwe  Lothars,  eines  Sohnes
des  Königs  Hugo  von  Burgund,  Adelheid,  welche  Titel  und  An-Iprüche
  einer  Königin  von  Italien  bejaß  und  von  jenem  Berengar
von  „sorean  zu  einer  Heirat  mit  jenem  Sohne  Adalbert  genötigt
werden  follte;  e8  gelang  ihr,  aus  dem  ftrengen  Gewahrjam,  in  dem
fie  in  der  Burg  Garda  am  Gardajee  feftgehalten  wurde,  zu  fliehen
und  von  der  Burg  Banoffa  aus,  wo  fie  bei  dem  Bilhof  von