Vollendss nachdem die Legionen Louis Napoleons
Pius IX., der von Mazzini und Garibaldi, welche die Republik
auf dem Kapitol ausgerufen hatten, zur Flucht nach Gaäta gezwungen
worden war, nach Rom zurückgeführt und ihm seinen
Priesterstaat wiedergegeben hatten, segelte das Schifflein Petri
wieder mit vollen Segeln dahin. War Pius IX. derart von Napoleons
Gnaden geworden, konnte er sich nur mittelst der französischen
Bajonette in Rom halten, so war dafür Napoleon III.
selbst nur mit Hilfe Pius IX. in den Sattel gekommen. Hätte er
nicht als Prinz-Prätendent dem Vatikan seine Hilfe in Aussicht
gestellt, wäre sein Name niemals beim Plebiszit des Jahres 1848
mit Millionen Stimmen aus der Wahlurne hervorgegangen, wäre
er nie auch nur Präsident der Republik geworden. Gestützt auf
die römisch-päpstliche Hierarchie konnte er nunmehr, ähnlich
wie einst Pippin und Napoleon I., sich die Krone aufs Haupt
setzen. Des päpstlichen Rom ‚älteste Tochter‘‘ war wieder
ein römischer Kirchenstaat geworden. Dafür, daß Napoleon
trotz seiner persönlichen Freigeisterei in der ihm vom Vatikan
angewiesenen Bahn beharren werde, bot er die denkbar sicherste
Bürgschaft, indem er eine bigotte Spanierin, die schöne und
stolze Eugenie, neben sich zur Kaiserin machte.
So hat das Revolutionsjahr 1848/49, welches das römische
Papsttum mit seiner ganzen Hierarchie aus den Angeln zu
heben und schier tödlich zu treffen drohte, ihm, ähnlich wie 1815
im Gefolge der französischen Revolutionszeit, nur neue Kräfte
zugeführt, ihm und seinem Weltherrschaftsgelüste Aussichten
eröffnet, von denen man im Vatikan kaum zu träumen
gewagt hatte.