Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

Bürgerin  und  Bäuerin.  249

ter  der  Handwerker  ihren  Antheil  an  den  mittelalterlichen
Festfreuden,  welche  die  deutschen  Städte  so  häufig  mit
buntem  Gewühl  und  lustigem  Gelärm  erfüllten.  Auch  sie
hatten  ihre  „Familienanlässe"“,  ihre  Hochzeiten,  ihre  Wallfahrten,
  ihre  Tänze  und  Fastnachtslustbarkeiten;  aber  für
gewöhnlich  waren  sie  doch,  mit  häuslichen  Arbeiten  und
Sorgen  beladen,  in  den  krummen,  finstern  Städtegassen  in
die  engen,  dunkeln  Häuser  eingeschlossen,  welche  nur  die  Unkenntniß
  für  bequem  hat  ausgeben  können,  wenn  man  erwägt,
  daß  noch  im  13.  Jahrhundert  das  Baumaterial  für
gewöhnliche  Bürgerhäuser  aus  Holz,  Lehm  und  Stroh
bestand,  daß  erst  fehr  allmälig  Bruch=  und  Backsteine  an
dessen  Stelle  traten,  daß  die  Häuser  nur  wenige  Fenster
hatten,  die  statt  mit  Glas  mit  Papier  oder  Tuch  bezogen
waren  —  noch  im  15.  Jahrhundert  hatten  selbst  die
Rathhäuser  in  vielen  Städten  nur  Tuchfenster  —  und
daß  Rauchfänge  und  Heizapparate  nur  sehr  langsam  aus
ihren  primitiven  Formen  zu  solchen  sich  entwickelten,  wie
sie  heutzutage  keiner  Taglöhnerwohnung  fehlen.  Der
Reichthum  der  Geschlechter  und  ihre  höhere  Bildung  ermöglichte
  und  verlangte  es  freilich,  daß  die  patrizischen
Wohnungen  (,  Höfe“,  „Geseße")  nach  Möglichkeit  bequem
  und  schön  eingerichtet  wurden;  aber  doch  gelangten
auch  die  adeligen  Stadthäuser  erst  im  späteren  Mittelalter
  zu  jenem  stattlichen  äußeren  Ansehen  und  jener  zierlichen
  und  prächtigen  inneren  Einrichtung,  auf  welche  der
Landadel  mit  neidischen  Augen  blickte.  Jahrhunderte
haben  daran  gearbeitet,  Nürnberg  zu  jenem  Schatzkästlein
mittelalterlicher  Architektur  zu  machen,  als  welches  wir