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ein Pfeiler stützte den anderen; man konnte nicht einen Stein herausnehmen, ohne
den ganzen Bau in Gefahr zu bringen. Aber es geschah auch in dieser Periode
vieles Gute; manches Saatkorn wurde gestreut, das in späterer Zeit herrlich
aufgehen sollte. Vor allem wurden diejenigen altpreußischen Elemente
geschont und genährt, von denen nach dem Sturze die Wiedergeburt des Staates
ausgehen sollte.
Die Verderbtheit im preußischen Beamtenstande war doch noch nicht so
tief eingerissen, wie man nach den überaus scharsen Erlassen des Königs hätte
glauben dürfen. Vielmehr zeigten sich auch jetzt noch die Pflichttreuc und der
Diensteiser, welche den preußischen Beamtenstand von alters her auszeichneten.
G. Freytag sagt in seinen Kulturbildern aus neuer Zeit:
— „Die Obergerichte erhielten sich in dem hohen Ausehen, das sie seit der
Organisation der letzten Könige gewonnen hatten. Ihr Personal war zahlreich,
sie umschlossen die Blüte der preußischen Jutelligenz, die stärkste Kraft des
Bürgertums, die höchste Bildung des Adels. Die älteren waren unter Coccefji,
die jüngeren unter Carmer geschult; gescheite, redliche, seste Männer von großartiger
Arbcitskraft, von stolzem Patriotismus und von einer Unabhängigkeit
des Charakters, welche sich in Handhabung der Justiz noch durch kein Ministerialrestript
irre machen ließ. Noch wagten die Hofkoterieen nicht, die Unbequemen
anzugreifen, und cs ist ein Verdienst des Königs, daß er seine Hand schützend
über ihre Integrität hielt . . Ihnen verbunden als Studiengenossen, Freunde,
Gleichgesinnte waren die besten Talente der Verwaltung, auch Fremde, welche
in prenßischem Dienst heraufkamen. Aus diesem Kreise sind fast alle Beamten
hervorgegangen, welche nach der Niederlage Preußens bei der Wiederbelebung
des Staates thätig waren: die Stein, Schön, Vincke, Grolmann, Sack,
Merkel und viele andere, die Präsidenten der Regierungen und obersten Gerichtshöfe
nach 1815. — Es ist eine Frende, in dieser Zeit umherflackernder
Unsicherheit das Auge auf die stille Arbeit solcher Zuverlässigen zu richten.
Manche von ihnen waren streng geschulte Aktenmänner, ohne vielseitige Interessen;
auf dem grünen Tisch ihres Kollegiums lag Ehrgeiz und Arbeit ihres ganzen
Lebens. Aber sie, die obersten Richter, die Verwalter der Provinzen haben treu
und dauerhaft ihr Bewußtsein, Preußen zu sein, durch schwere Zeit getragen;
jeder von ihnen hat seiner Umgebung von der zähen Ausdauer, dem sicheren
Urteil mitgeteilt, das sie auszeichncte. Auch wo sie, von dem Körper ihres Staates
abgelöst, unter fremder Herrschaft Recht sprechen mußten, arbeiteten sie in ihrem
Kreise in der alten Weise fort, und, gewöhnt an kalte Selbstbeherrschung,
bargen sie in der Tiefe ihrer Seele die feurige Sehnsucht nach dem angestammten
Herrn und vielleicht stille Plänc für bessere Zeit“ u. s. w.
So begegnen wir auch in dem Heere bereits den ehrenwerten, pflichtgetreuen
Männern, welche in einer glorreichen Zeit seine Führer auf nenen