Viertes Kapitel.
Der Reichstag und die allgemeine Zeitlage.
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Wodurch war der überraschende Gesinnungswechsel in der
fürstlichen Kurie, als dessen Ausdruck der Beschlufs vom 5. Juli
sich darstellt, herbeigeführt worden? Eine ganz bestimmte Antwort
auf diese Frage wird sich kaum geben lassen, da jener
Umschwung offenbar nicht auf die Rechnung der Einwirkungen
eines einzelnen Momentes zu setzen ist. Vielmehr traf verschiedenes
zusammen, um auch in der Ständekurie eine besonnere Auffassung
der Dinge Platz greifen zu lassen.
Zunächst gewann der Reichstag ein einigermafsen verändertes
Aussehen dadurch, dafs nach und nach zu den anfangs versammelten
Ständen andere hinzutraten. Innerhalb der ersten anderthalb
Wochen nach der Eröffnung der Verhandlungen erschienen zwei
weitere kaiserliche Kommissare, nämlich Herzog Erich von Braunschweig
und Markgraf Philipp von Baden, welchen letzteren sein
jüngerer Bruder, Markgraf Ernst, begleitete; gleichzeitig traf der
Bischof Konrad von Würzburg ein; weiter die Vertreter des Kurfürsten
von Sachsen, des Landgrafen von Hessen, der Pfalzgrafen
von Neuburg '); endlich von Städten Köln und das wegen seiner
) Vgl. ob. S.209. — Der Bischof von Würzburg erschien, laut Notiz
im Würzburger Kr. A., am 3. Juli, 8 Uhr abends, Herzog Erich „mit geringer
Begleitung“ am Nachmittage des 5, (Schrautenbachs Relation von
diesem Tage). Die pfalzneuburgischen Gesandten Reinhard von Neuneck und
Konrad von Rechberg scheinen am 2. Juli eingetroffen zu sein; das von
diesem Tage abends datierte Postskript zur bairischen Relation vom 1. Juli
führt Neuneck auf, während die Relation selbst von ihm schweigt. Die Markgrafen
von Baden kamen, laut derselben Relation, am 29. Juni. Der hessische
Botschafter, Graf Georg von Königstein, dem Balthasar von Weitelshausen
gen. Schrautenbach beigegeben war, war seit dem 27. Juni in Speier, nahm
aber an den Sitzungen kaum Anteil, teils wegen Sessionsirrungen mit Baden,