Metadaten : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Reuß Älterer Linie. 1862. (11)

—  237  —

2)  wenn  vor  Antrilt  der  Reise  ein  Krieg  ausbricht,  in  Folge  dessen
das  Schiff  ober  die  nach  dem  Frachtvertrag  zu  verschiffenden  Göütee
oder  beide  nicht  mehr  als  frei  betrachtet  werden  können  und  der
Gefahr  der  Aufbringung  ausgesetzt  würden.

Die  Ausübung  der  im  Art.  563  dem  Befrachter  beigelegten  Befugniß  ist
in  den  Fällen  der  vorstehenden  Bestimmungen  nicht  ausgeschlossen.

Art.  632.

Wenn  nach  Antritt  der  Reise  das  Schiff  durch  einen  Zufall  vetloren  geht
(Art.  630,  Zisfer  1),  so  endet  der  Frachtvertrag.  Jedoch  hat  der  Beftachker,
soweit  Güter  geborgen  oder  gerettet  sind,  die  Fracht  im  Verhältniß  der  zurück
gelegten  zur  ganzen  Reise  zu  zahlen  (Distanzfracht).

Die  Distanzfracht  ist  nur  soweit  zu  zahlen,  als  der  gerettete  Werth  der
Güter  reicht.

Art.  633.

Bei  Berechnung  der  Distanzfracht  kommt  in  Anschlag  nicht  allein  das  Verhältniß
  der  bereits  zurückgelegten  zu  der  noch  zurückzulegenden  Entfernung,  sondern
  auch  das  Verhältnit  des  Aufwandes  an  Kosten  und  Zeit,  der  Gefahren
und  Mühen,  welche  durchschnittlich  mit  dem  vollendeten  Theil  der  Reise  verbunden
  Alia  zu  denen  deb  nicht  vollendeten  Theils.

in  sich  die  Parteien  über  den  Betrag  der  Diltanzfracht  nicht  einigen,
so  cnlschede  darüber  der  Richter  nach  billigem  Ermessen.

rt.  634.

Die  Auflösung  des  Frachesvertrags  ändert  nichts  in  den  Verpflichtungen
des  Schiffers,  bei  Abwesenheit  der  Betheiligten  auch  nach  dem  Verkust  des
Schiffs  für  das  Beste  der  Ladung  zu  sorgen  (Art.  504—506).  Der  Schlffer
it  demgufolge  berechtigt  und  verpflichtet  und  zwar  im  Falle  der  Dringlichkeit
auch  ohne  vorherige  Anfrage,  sé  nachdem  eo  den  Umständen  entspricht,  ratweder
die  Ladung  für  Rechnung  der  Betheiligten  mittelst  rines  anderen  Schiffs  nach
dem  Bestimmungshasen  befördern  zu  lassen,  oder  die  Auflagerung  oder  den  Verkauf
  derselben  zu  bewirken  und  im  Falle  der  Weiterbeförderung  oder  Auflagerung,
behufs  Beschaffung  der  hierzu  sowie  zur  Erhaltung  der  Ladung  nöthigen  Mittel,
einen  Theil  davon  zu  verkaufen,  oder  im  Falle  der  Weiterbefärderung  die  kadung
ganz  pr-  zum  Theil  zu  verbodmen.

Der  Schiffer  ist  jedoch  nicht  verpflichtet,  die  Ladung  auszuantworten  oder
zur  Wetterbesörderung  einem  anderen  Schiffer  zu  übergeben,  bevor  die  Distayz-33