Full text : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

wicklung  der  Dinge  aus  nächster,  bester  Stelle  stündlich
mitangesehen  und  studiert.

Nach  meinem  Eindruck  ist  es  eine  ganze  Reihe  von
Umständen,  deren  unglückseliges  Zusammenfließen  die
Enktwicklung  der  Ereignisse  zu  ihrem  heillosen  Abschlusse
  geführk  hat.  Neben  der  zweifellosen  Unzulänglichkeik
  und  dem  aus  ihr  sich  ergebenden  moralischen
  und  phosuschen  Riederbruch  des  Generals  von
Moltke  die  unglückliche  und  rasch  entmuligte  Führung
bei  A.O.  K.  2  durch  General  von  Bülow  —  und  die
geradezu  unselige  Tätigkeit  eines  Generalstabsoffiziers
der  O.  H.  L.,  der  von  einer  ihm  unwerständlicherweise
nur  mündlich  erkeilken  Direklive  für  besondere  Fälle
unker  dem  Druck  der  Verankworkung  und  seines  perfönlichen
  Pessimismus  als  von  einer  unbeschränkken  Vollmacht
  Gebrauch  machte  und  die  beiden  siegreich  kämpfenden
  Flügelarmeen  vor  der  Enkscheidung  zum  Rückzug
veranlaßte.

Stets  wenn  ich  dieser  Zeik  der  sinnlosen  und  unbegreiflichen
  Hingabe  von  errungenen  Erfolgen  gedenke,  wenn
mir  das  ganze  Grauen  dieser  Kopflosigkeit  wieder  vor
Augen  krikt,  schiebk  sich  damit  auch  die  kragische  Gestalk
des  Mannes  in  mein  Gesichk,  der  damals  führen  sollte
—  und  kein  Führer  war,  und  der,  als  die  schwellenden
Ereignisse  das  überkommene  Schemoa  sprengken,  zusammenbrach:
  die  Gestalt  des  Generalstabschefs  Generaloberst
  von  Molkbe.

Ich  habe  den  General  gut  gekannk,  ich  habe  ihn  als
Menschen  anfrichkig  verehrk,  und  ich  empfinde  kief  die
Tragik  seines  Geschickes,  das  mir  in  seiner  rein  menschlichen
  Linie  mit  dem  Geschicke  des  unglücklichen  Oster-191