fullscreen: Das Königreich Württemberg. Zweiter Band_1. (2)

746 Das Volk. 
Der Viehhandel — besonders mit Rindvieh und Schafen — ist im Lande 
hochbedeutend. Zwar nimmt die Zahl der Fleischthiere im Verhältnis zur Einwohner= 
zahl stetig ab. Auf 1000 Einw. kamen: Rindvieh in 18641: 557, 1873: 520, 1883: 
458 St.; Schafe 1864: 402, 1878: 317, 1883: 279; Schweine 1864: 150, 1873: 
147, 1883: 148 St. Nichtsdestoweniger gehört Württemberg unter diejenigen deutschen 
Staaten, welche den höchsten Rindviehstand haben (nur Bayern zählt mehr: 574 auf 
1000 Einw., dagegen Baden 377, Deutsches Reich 348, Preußen 320, Elsaß-Lotbringen 
273, Sachsen 219, sodann Frankreich 1872: 312, Schweiz in 1876: 372 St.), 
und ist darum vor den andern in der Lage, zur Befriedigung der Bedürfnisse der 
andern beizutragen. Daher ist auch der Handel mit Mastochsen und Hämmeln nach 
Baden, Frankreich, den Rhein hinunter, nach der Schweiz von jeber ein lebbafter 
gewesen. Seit einigen Jahren haben sich aber hier die Verkehrs= und Absatzverbält- 
nisse ganz verschoben. Während der Export von Masthämmeln nach Paris trotz ver— 
minderter Schafzucht in neuester Zeit noch zugenommen hat, hat derienige von Maü- 
ochsen dahin ganz aufgehört und es findet nun umgekehrt ein Import solcher von 
Belfort her, selbst von Paris (Mastvieh aus der Normandie) statt. Auf der andern 
Seite wird der englische Markt, welchem früher viele Thiere von Norddeutschland 
zugiengen, nun von Amerika (Texas, Laplatagebiet) nicht nur mit Fleisch, sendern auch 
mit lebendem Schlachtvieh versehen, so daß jetzt das norddeutsche Mastoieb am Rdein 
berauf bis Mainz und noch näher mit dem unserigen konkurrirt. Und auch von 
Italien kommen seit Eröffnung der Gotthardbahn regelmäßige Transporte setten 
Schlachtviehbs nach Süddeutschland. Der größte Theil unseres (exports gebt nach 
Baden, Frankfurt a / M., Köln und nach der Schweiz (über den Bodensee werden 
jährlich ca. 10000 St. Hornvieh und mehrere Tausend Stück Schafe befärdert, davon 
85 % hin, 15 % her). Der Preis pro (tr. lebend Gewicht, welcher von 1862 bis 
1872 mit mehr oder weniger großen Schwankungen von 24 auf 41 Mark gestiegen 
war, ist von 1872 bis 1880 wieder bis auf 34—38 Mark zurückgegangen. 
In Schweinenp findet vorzugsweise Einfuhrhandel und zwar mit bavericchen, 
ungarischen, galizischen und im Schwarzwald mit den sog. Hessenschweinen, welche 
badische Händler von Lothringen und Hessen bringen, statt (s. o. S. 5760). 
Geflügelbandel s. o. S. 580. Für die (Einfuhr ausländischen Gestugels 
ist Stuttgart ein Hanptplatz. In wöchentlichen Sendungen kommen aus Italien 
(Vicenza, Verona und Padna) jährlich 1100000 Stück, darunter Hübner zum Schlachten 
jährlich über 1 Mill. St. (Preis per Stück 1—1,½5 Mark), wovon ½ nach Baden 
weiter gebt, außerdem ca. 10 000 Legbühner, die durch Hausirer von Neub aufen 
OAl. Epßlingen auf dem Lande verkauft werden, ferner 10000 Kapannen und Penlarden. 
einige Tausend Stück Enten, Gänse, Truthühner; aus Frankreich (Cbhalons s. S.) kommen 
wöchentlich ca. 100 St. fette Ponlarden; Gänse außerdem von der Nördlinger (Gegend. 
Ueber Wildbret= und Fischhandel s. u. 1. 5. 
Schnecken werden exportirt nach Oesterreich, Frankreich, Schweiz; Erdort: 
geschäfte hiefür in Rottweil, Horb, Riedlingen, Ulm, Ehingen, Blaubeuren, Miun- 
singen (mit Schneckengärten) s. o. S. 587. 
Eines Weltrufes genießt der Leonberger Hundehandel, welchen jetzt 2 Geschärt:e 
betreiben. Der Verkauf in Neufundländern, Bernhardinern. Doggen, Dachsbunden, Rat##en- 
vinschern und Spi#bunden erstreckt sich in serne Länder (England, Schweden, Rusland, 
Frankreich, Nordamerika. Mexike, Afrika u. v. a.). Preise von 10—500 Mk. per Stack. 
Blutegel handel in Stuttgart und Illingen. Eingeführt werden dieselben ven 
Ungarn, Südfrankreich, ausgeführt nach der Schweiz, Holland, Belgien, auch eitwas nae## 
England und Amerika. Jabresverbrauch des größten Geschäfts 500000 Stuck.