Full text : Sächsisches Realienbuch enthaltend Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte, Physik, Chemie und Mineralogie.

III  —  48  —

vorhanden  ist.  Pflanzen,  die  Sporen  erzeugen,  nennt  man  Sporenpflanzen,
zum  Unterschiede  von  den  Samenpflanzen.  Aus  den  Sporen  entwickelt  sich
zunächst  ein  herzförmiger  *
Vorkeim.  Aus  diesem  wach-  «
sen  tonnenförmige  Bläschen
hervor,  aus  welchen  Befruchtungsfäden
  ausschlüpfen,
  welche  im  Wasser,  das
den  Vorkeim  bedeckt,  umherschwimmen.
  Sie  rudern  zu
anderen  Behältern,  von
denen  jeder  im  Innern  ein
Ei  birgt.  Zu  diesem  führt
wie  durch  einen  Flaschen-  ·«’
Vorkeim  eines  Farnkrautes;  hals  ein  Kanal;  durch  ihn  Ein  zunges  Farnkraut
—  rvergröert.  n  dringt  ein  Faden  und  be-  Meslant  und  10uarteln
u  aenchenehe  en  25.  Keim.  fruchtet  ein  Ei;  aus  diesem  #  Bekann
wächst  ein  neues  Farnkraut.
Keimversuch:  Auf  ein  Stück  Torf  streue  Sporen,  lege  es  in  einen  Teller  mit
Wasser  und  stülpe  ein  Glas  darüber,  so  daß  unten  am  Rande  die  Luft  durch
kann.  Ort:  warm,  aber  nicht  sonnig.

  

6

58.  Das  goldene  Frauenbaar  (Haarmoos)y.

1.  Moosrasen.  Das  goldene  Frauenhaar  bildet  in  unseren  Wäldern  dichte
Rasen.  Das  Leben  in  Gesellschaft  ist  dem  Moospflänzchen  durchaus  notwendig.
Ein  Moospflänzchen,  das  allein  stände,  würde  wegen  seines  zarten  Baues  bald
zugrunde  gehen.  In  Gesellschaft  aber  trotzt  das  Moos  allen  Widerwärtigkeiten.

2.  Der  Bau  der  Moosblätter  weicht  von  dem  der  Blätter  höherer  Pflanzen
mehrfach  ab.  So  bemerkt  man  z.  B.  in  den  Moosblättern  außer  der  Mittelrippe
  keinerlei  Blattgefäße.  Auch  fehlt  den  Blättern  die  Oberhaut,  weshalb
die  Ausdunstung  bei  ihnen  viel  schneller  vor  sich  gehen  kann.  Daher  schrumpfen
sie  bei  anhaltender  Wärme  leicht  zusammen,  guellen  aber  in  feuchter  Luft  auch
schnell  wieder  auf.

3.  Befruchtungswerkzeuge.  Auch  das  Moos  gehört  zu  den  Sporenpflanzen.
(S.  47.)  Es  sind  zweierlei  blütenähnliche  Gebilde  vorhanden:  solche,  die  den
Stempelblüten,  und  solche,  die  den  Staubblüten  gleichen.  Sie  stehen  stets  gesondert
  auf  verschiedenen  Pflanzen  und  zwar  am  Gipfel  der  Stengel.  Diejenigen,
  welche  den  Staubblüten  gleichen,  werden  aus  rötlichen  Blattrosetten
mit  keulenförmigen  Bläschen  gebildet.  Sie  blühen  im  Mai.  Diejenigen,  welche
den  Stempelblüten  entsprechen,  bestehen  aus  zarten  Blättchen  mit  schlank
flaschenförmigen  Teilen.  Aus  der  darin  liegenden  Eizelle  entsteht  die  Mooskapsel.

4.  Die  Mooskapsel  (a)  entwickelt  sich  unter  einer  schützenden  Hülle,  der
Haube  (b).  Diese  ist  mit  dichtem  Filze  besetzt.  Lösen  wir  sie  ab,  so  sehen  wir
das  Deckelchen  der  Kapsel.  Zur  Zeit  der  Reife  fallen  Haube  und  Deckel  als
nutzlos  ab,  und  wir  bemerken  dann  unter  dem  Deckel  das  Trommelfell,  eine
zarte  Haut,  die  die  Sporen  (S.  47)  bis  zur  Reife  zurückhält.  Die  obere