1870 Ungeheueres Aussehen. 281
Ausdruck gab, daß der Herzog nichts Anderes als einen
Kriegsfall gegen Preußen habe bezeichnen wollen, so daß
Ollivier, welchem eine solche Haltung doch unrathsam erschien,
mäßigend einschritt und nachdrücklich erklärte, die Regierung
wünsche keineswegs den Krieg; sie wolle leidenschaftlich den
Frieden, aber den Frieden mit Ehre. Natürlich war durch
solche Worte Gramont's große That nicht auszulöschen. Die
anwesenden Diplomaten waren von dem Eindruck auf das
Tiefsste erschüttert. Ist ein solches Benehmen, fragten sie
sich, das Erzeugniß eines festen Entschlusses zum Krieg oder
nur der Unerfahrenheit Ollivier's und der Unfähigkeit
Gramont's? Einig waren sie sämmtlich darüber, daß jede
auf die Erhaltung des Friedens gerichtete Unterhandlung,
jede internationale Vermittlung durch Gramonk's insultirende
Drohung auf das Höchste erschwert, wenn nicht unmöglich
geworden sei.
In Paris pflanzte sich unterdessen der Lärm, welchen
Gramont in der Kammer wachgerufen, durch sämmtliche
Schichten und Parteien der Bevölkerung fort. Die Zeitungen
aller Farben wetteiferten in kriegerischem Patriotismus.“)
Die Ehre ist gerettet, rief der Gaulois, zum ersten Male hat
dies Ministerium die einzige Frankreichs würdige Sprache
gesprochen; kann der Friede erhalten werden, desto besser;
kommt es zum Kriege, noch besser. Ein anderes Organ der
Linken, die Opinion Nationale, verkündete: bleibt die Regierung
bei ihrer hohen und festen Sprache, so hat sie die ganze
Nation hinter sich; Bismarck überschreitet alle Grenzen; will
er Frieden, so muß er zurückweichen; wir können es nicht
4) Bal. Giraudeau, la véErité sur la campagne de 1870.