Full text : Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Erster Band: Von den frühesten Zeiten bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts. (1)

König  Albrechts  I.  erneute  Absichten  auf  Thüringen.  249

Aber  schon  1304  war  die  Eintracht  wieder  zu  Ende.  Im
Einverständniß  mit  dem  Laudgrafen  und  gewiß  auf  seinen  Antrieb
  zogen  die  zur  Erhaltung  des  Laudfriedeus  in  Thüringen
Verbündeten  vor  die  Schlösser  des  Burggrafen  Otto  von  Kirchberg,
  der  ein  Vasall  und  Geheimerath  des  Markgrafen
Diezmann  war,  und  zerstörten  Wintberg  und  Kirchberg,  worauf
Greifenberg  gegen  freien  Abzug  der  Besatzung,  darunter  Diezmanns
  und  des  Burggrafen  selbst,  capitulirte.  Bald  folgte
noch  Schlimmeres.  Eisenach  hatte  sich,  wic  Frankenstein  und
Kreuzburg,  in  diesen  Wirren  eine  Art  von  Reichsunmittelbarkeit
erworben  und  da  es  nun,  weil  es  sich  den  Landesherren  nicht
fügen  wollte,  von  den  beiden  Brüdern  hart  bedrängt  wurde,
so  rief  es  auf  Grund  des  zwischen  Landgraf  Albrecht  und  Adolf
abgeschlossenen  Vertrags  des  Königs  Albrecht  Hilfe  an.  Dies
gab  letzterem  Veranlassung,  die  thüringische  Angelegenhcit  wieder
ernstlich  in  Angriff  zu  nehmen.  Als  nun  Friedrich  und  Diezmann
  vorgeladen  auf  dem  fuldaischen  Hoftage  (Juli  1300),
wo  der  König  jener  Städte  Klage  hören  wollte,  nicht  erschienen,
wurde  gegen  sie  Acht  und  Krieg  erklärt.  Und  hier  zu  Fulda
erneuerte  der  alte  Landgraf  mit  ihm  den  einst  mit  Adolf  geschlossenen
  Vertrag.  Wahrscheinlich  beschränkte  sich  damals  sein
ganzer  unmittelbarer  Besitz  auf  die  Wartburg  mit  Eisenach,
und  jene  versprach  er  zu  mehrer  Sicherheit  des  Reiches,  an
das  Thüringen  nach  seinem  Ableben  fallen  solle,  binnen  8  Tagen
den  Herren  Beringer  von  Geypzenstein  und  Helwich  von  Goldbach
  zu  überliefern,  die  sie  nach  seinem  Tode  dem  Könige  frei
ausantworten  sollten  1).  So  sahen  sich  also  die  jungen  Markgrafen
  abermals  durch  die  Farih  geligee.  ihres  Vaters  in
ganz  ähnlicher  Weise  wie  13  Jahre  borher  mit  dem  Verluste
ihrer  Lande  bedroht,  aber  auch  jetzt,  verzagten  sie  nicht.  Um
die  Wartburg,  an  der  der  Besitz  Thüringens  hing,  zu  retten,
legten  sie  cilig  die  noch  mit  ihrem  Vater  wegen  der  zerstörten
Schlösser  des  Burggrafen  von  Kirchberg  obschwebenden  Mißhelligkeiten
  bei  und  zogen  den  schwachen  Alten  wieder  auf  ihre

1)  „ducd  cum  terra  nostra  Thuringin,  qgua  ad  vitam  nostram

Laudere  volumus  et  ca  uti  frui,  post  mortem  nostram  ad  imperium
derolvi  debcat  pleno  jure“.  Pisaner  Urkunde  a.  a.  O.

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