Zweites Hauptstück.
Der Staat.
6. Abschnitt.
a) Begriff und Wesen, des Staates.
Von
Hofrat Dr. Adolf Menzel,
o. Professor der Rechte an der Universität Wien,
Literatur:
G. Jellinek, allg. Staatslehre 2. Aufl. 1905; H. Rehm, allg. Staatslehre 1899; R. Schmidt, allg. Staatslehre I,
II 1901—03; E. Loening Art. „Staat“ im Handwörterbuch der Stastswissenschaften, 3. Aufl. Bd. 7, S. 692 ff (1911);
L. Gumplowicz, allg. Stastsrecht 3. Aufl. 1908; Fr. Berolzheimer, Rechts- und Wirtschaftsphilosophie Bd. 3, 1906;
H. Kelsen, Hauptprobleme der Staatsrechtslehre, 1911; H. Treitschke, Politik I, II, 1898; I. Hatschek, allg. Staats-
recht 1910; Ed. Meyer, Geschichte des Altertums 2. Aufl., 1907 Bd. I, Einleitung. Elemente der Anthropologie;
E. Bernatzik im Archiv f. öffentl. Recht Bd. 5 S. 242 ff; G. Seidler, das juristische Kriterium des Staates, 1905;
P. Laband, das Staatsrecht des deutschen Reiches 5 . Aufl. I S. 55 ff.; 0. Mayer in der Festschrift für Laband Bd. I,
S. 46 ff. (1909); G. Anschütz in der Enzyclopädie der Rechtswissenschaft, herausgegeben v. J. Kobler Bd. 2, S. 451 ff.
In allen diesen Werken, welche im folgenden nur mit dem Namen der Verfasser zitiert werden, finden sich auch
weitere Literaturangaben. — Aus der französichen und englischen Literatur sind hervorzuheben: H. Michel,
l'idée de l’Etat 1896; L. Duguit, études de droit public I II 1901, 1903, traité d. dr. constit. 1911; Burgess, political
science 1892, Bosanquet, philosphical theory of the state 2. ed. 1910, W. Wilson, the State, elements of
historical and practical politics, gekürzte deutsche Ausgabe von Thomas 1913,
Infolge der in diesem Handbuche getroffenen Stoff-Einteilung werden in den folgenden Zeilen einige Fragen,
welche sonst gewöhnlich im Zusammenhange mit dem Begriffe des Staates zur Erörterung gelangen, wie das Ver-
hältnis des Staates zur Gesellschaft, Staat und Recht, die Lehre von der Souveränetät und von der Einteilung der
Staatsformen ausser Betracht gelassen, da diesen Themen besondere Abschnitte des Werkes gewidmet sind.
Inhaltsübersicht:
1. Methodische Vorbemerkungen. Il. Die soziologische Staatsidee. III. Organische Theorie.
IV. Juristische Theorie. V. Energetische Theorie. VI. Die Lehre vom Staatszweck.
I. Methodische Vorbemerkungen.
Eine wissenschaftliche Begriffsbestimmung des Staates muss sich vor Augen halten, dass
es ihr Zweck ist, die Wirklichkeit zu erfassen; nur dann hat sie einen Erkenntniswert. Gewiss er-
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