Metadata : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

abends  mit  den  drei  aktiven  Armeekorps  an  der  Mosellinie  auf,  und
zwar  das  V.  A.  R.  bls  Rönigemachern,  das  XIII.  A.  R.  bei  Diedenhofen
und  das  XVI.  A.  R.  bei  Metz  und  nördlich.  Dahinter  lagen  im  zweiten
Treffen  nordwestlich  der  Nied  die  beiden  Reservekorps,  das  V.  R.  K.  um
Niedaltdorf  —  Busendorf  und  das  VI.  R.  R.  um  Zeßdorf  —  Bettingen.

Das  Armee-Oberbommando  verlegte  sein  Hauptquartier  von  Saarbrücken
  nach  Diedenhofen  vor,  während  das  Große  Hauptquartier  Seiner
Majestät  in  Coblenz  eintraf,  wohin  nunmehr  alle  Meldungen  zu  richten
waren.  Die  enge,  mit  acht  Satatllonen  vollgestopfte  Moselfestung  bot
innerbalb  ihrer  Wälle  und  modernen  Werke  das  bunte  Bild  Wallensteinschen
  Lagerlebens.  Unter  solchen  ungewohnten  und  aufregenden  Eindrücken
  sprachen  die  braven  Kandsturm=  und  Landwehrmänner  der  Besatzung
  zur  Erhöhung  lbhrer  kriegerischen  Stimmung  dem  Alkohol  fleißig
zu.  Ein  einstweiliges  strenges  Ausschankverbot  und  der  Sinweis,  daß
die  Festungebesatzungen  baldigen  ernsten  Aufgaben  auch  im  Felde  entgegengingen,
  schuf  besonnenere  Stimmung.  Das  Gouvernement  Metz
wurde  ebenfalls  angewiesen,  bis  zum  20.  August  eine  starbe  verwendungsbereite
  Sauptreserve  aller  Waffen  zusammenzustellen.  Sie  hat  später  in
Gestalt  der  33.  R.  D.  unter  General  Bausch  Vorzügliches  geleistet.

Mein  Quartiergeber  in  Diedenhofen  war  der  im  Reichelande  geborene
Rreisdirektor  Ullereberger,  dessen  klar  durchdachte  Anschauungen  über  die
Zukunft  der  Reichslande  und  ihre  notwendige  Regierungsform  in  merkwürdigem
  Gegensatz  standen  zu  den  leider  oft  gehörten  verworrenen  Ansichten
  anderer  Beamten.  In  meinem  zimmer  hing  das  von  Frau
von  Stötzer,  der  Witwe  des  früheren  Rommandierenden  Generals  in  Metz,
gemalte  große  Glbild  der  abwesenden  Frau  des  Zauses  mit  ihrem  Rinde,
einer  deutschen  Madonna,  wie  man  sie  sich  nicht  schöner  vorstellen  bonnte.

Die  Armee  von  1914.

Unvergeßlich  wird  mir  immer  aus  jenen  ersten  Tagen  der  WEindruck
blelben,  den  die  Marschkolonnen  meiner  Armee  auf  mich  machten,  als  sie
in  unabsehbarem  Zuge  bei  glühender  Augusthitze  an  mir  vorbeizogen.
Auf  den  gebräunten  Gesichtern  lag  Entschlossenheit  und  Slegeszuversicht,
aus  den  Reiben  erschallten  die  alten,  schönen,  deutschen  Soldatenlieder.
Es  war  das  stolze,  selbstsichere,  freudige  Ausschreiten  einer  vteltausend-15