Full text : Diplomatische Aktenstücke.

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Mobilisierung  an  der  österreichischen  Grenze  gesprochen;  er  hat
zu  mir  gesagt,  diese  Mobilisierung  stelle  den  Erfolg  jeder  Intervention
  bei  Oesterreich  in  Frage,  und  davon  hänge  alles  ab.  Er
hat  hinzugefügt,  er  befürchte,  Oesterreich  werde  infolge  der
teilweisen  russischen  Mobilmachung  vollständig  mobilisieren,
was  als  Gegenzug  die  allgemeine  russische  Mobilmachung  und
demzufolge  diejenige  Deutschlands  nach  sich  ziehen  könnte.
Ich  habe  den  Staatssekretär  darauf  aufmerksam  gemacht,
dass  er  selbst  mir  gesagt  habe,  Deutschland  erachte  sich  nur  in
dem  Falle  für  genötigt,  zu  mobilisieren,  wenn  Russland  an  der
deutschen  Grenze  mobilisiere,  und  dass  dies  nicht  der  Fall  sei.
Er  hat  mir  geantwortet,  das  sei  wahr,  aber  die  Heeresführer
drängten  darauf,  denn  jede  Verspätung  bedeute  einen  Kräfteverlust
  für  das  deutsche  Heer,  und  «  die  Worte,  an  die  ich  erinnerte,
  bildeten  nicht  eine  feste  Zusage  von  seiner  Seite.  »
Nach  meinem  aus  dieser  Unterredung  gewonnenen  Eindrucke
  sind  die  Friedensaussichten  noch  mehr  geschwunden.
Jules  Cambon.

Nr.  110.

Herr  Paul  Cambon,  französischer  Botschafter  in  London,

an  Herrn  Rene  Viviani,  Ministerpräsidenten  und  Minister
des  Aeussern.
London,  den  31.  Juli  1914.

Zu  Beginn  unsrer  heutigen  Unterredung  hat  mir  Sir  Ed.
Grey  gesagt,  Fürst  Lichnowsky  habe  ihn  heute  morgen  gefragt,
ob  England  in  dem  sich  vorbereitenden  Konflikt  die  Neutralität
bewahren  werde.  Der  Staatssekretär  der  auswärtigen  Angelegenheiten
  hat  ihm  geantwortet,  wenn  der  Konflikt  allgemein
werden  sollte,  würde  England  nicht  neutral  bleiben  können,
und  namentlich  wenn  Frankreich  hineingezogen  werden  sollte,
würde  auch  England  mitgerissen  werden.

Ich  habe  dann  Sir  Ed.  Grey  über  die  Beratung  des  Ministerrats
  befragt,  die  heute  morgen  stattgefunden  hatte.  Er  hat  mir
geantwortet,  nach  Prüfung  der  Lage  finde  der  Ministerrat,  dass
uns  die  britische  Regierung  zur  Zeit  ihre  Intervention  nicht  verbürgen
  könne;  sie  habe  die  Absicht,  sich  dafür  zu  verwenden,