Full text : Deutsches Kolonial-Handbuch.

—  244  —

Oppenheim  (Berlin),  Wilhelm  Rein  (Jena),  Jakob  Rießer  (Berlin),  Fritz
Schaper  (Berlin),  Otto  v.  Schjernig  (Großes  Hauptquartier),  Gustarv
Schwalbe  (Straßburg  i.  E.),  Rudolf  Sturm  (Breslau),  Adolf  Wagner
(Berlin),  August  Weismann  (Freiburg  i.  B.),  Anton  v.  Werner  (Berlin),
Wilhelm  Wundt  (Leipzig),  Rudolf  Kobert  (Rostock).

Die  deutsche  Botschaft  aus  Japan  abgereist.

Das  W.-T.B.  teilt  am  7.  September  mit:  Die  Mitglieder  unserer  Botschaft
  in  Tokio  und  unserer  Konsulate  in  Japan  sind  am  31.  August  auf  dem
asereamischen  Dampfer  „Minnesota"“  nach  den  Vereinigten  Staaten  abgereist.


Der  Reichskanzler  an  die  Amerikaner.

Die  „Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung“  vom  7.  September  bringt
folgende  Mitteilung  des  Reichskanzlers  an  die  Vertreter  der  „United  Preß“
und  der  „Associad  Preß“:

Großes  Hauptquartier,  2.  September  1914.

Ich  weiß  nicht,  was  man  in  Amerika  über  diesen  Krieg  denkt.  Ich
nehme  aber  an,  daß  dort  inzwischen  der  Telegrammwechsel  Seiner  Majestät
des  Kaisers  mit  dem  Kaiser  von  Rußland  und  dem  König  von  England
bekannt  geworden  ist,  der  unwiderleglich  vor  der  Geschichte  Zeugnis  dafür
ablegt,  wie  der  Kaiser  bis  zum  letzten  Augenblick  bemüht  gewesen  ist,  den
Frieden  zu  erhalten.  Diese  Bemühungen  mußten  aber  vergeblich  bleiben,  da

Rußlandunterallen  Umständen  zum  Kriege
entschlossen

war  und  England,  das  durch  ein  Jahrzehnt  hindurch  den  deutschfeindlichen
Nationalismus  in  Rußland  und  Frankreich  ermutigt  hatte,  die  glänzende
Gelegenheit,  die  sich  ihm  bot,  die  so  oft  betonte  Friedensliebe  zu  bewähren,
ungenutzt  vorübergehen  ließ,  sonst  hätte  wenigstens  der  Krieg  Deutschlands
mit  Frankreich  und  England  vermieden  werden  können.  Wenn  sich  einmal
die  Archive  öffnen  werden,  so  wird  die  Welt  erfahren,  wie  oft  Deutschland
England  die  Freundeshand  entgegengestreckt  hat.  Aber  England  wollte  die
Freundschaft  mit  Deutschland  nicht.  Eifersüchtig  auf  die  Entwicklung  Deutschlands
  und  in  dem  Gefühl,  daß  es  durch  deutsche  Tüchtigkeit  und  deutschem
Fleiß  auf  manchen  Gebieten  überflügelt  werde,  wünschte  es,  Deutschland
mit  roher  Gewalt  niederzuwerfen,  wie  es  seinerzeit  Spanien,  Holland  und
Frankreich  niedergeworfen  hat.  Diesen  Moment  hielt  es  jetzt  für  gekommen,
und  so  bot  ihm  denn  der  Einmarsch  deutscher  Truppen  in  Belgien  einen
willkommenen  Vorwand,  am  Kriege  teilzunehmen.  Zu  diesem  Einmarsch
aber  war  Deutschland  gezwungen,  weil  es

dembeabsichtigten  französischen  Vormarsch
zuvorzukommen

wußte  und  Belgien  nur  auf  diesen  wartete,  um  sich  Frankreich  anzuschließen.
Daß  es  für  England  nur  ein  Vorwand  war,  beweist  die  Tatsache,  daß  Sir
Edward  Grey  bereits  am  2.  August  nachmittags,  also  bevor  die  Verletzung
der  belgischen  Neutralität  durch  Deutschland  erfolgte,  dem  französischen  Botschafter
  die  Hilfe  Englands  bedingungslos  für  den  Fall  zugesichert  hat,  daß
die  deutsche  Flotte  die  französische  Küste  angreife.