Das deutsche Reich. Anhang. 253
offen unsere Unterstüßung nachsuchen, und die Versöhnung mit Deutschland in ihr
Programm aufzuehmen, während alle anderen Fractionen und Schattirungen jeden
Verkehr mit uns auf das sorgfältigste vermeiden, und den Rachekrieg gegen Deutschland
auf ihre Fahnen schreiben. Ich erkenne in der Candidatur des Duc d'Aumale
eine ebenso große Gefahr, wie in derjenigen Gambetta's, und die sogenannte anständige
Republik, welche durch Casimir Périer oder Grévy repräsentirt werden
würde, kann nur ein Uebergang zu Gambetta sein. Ist doch selbst das System
Thiers im jetzigen Augenblick nur möglich durch seine immer intimer werdenden
Beziehungen zu Gambetta. Darum scheint mir als die wünschenswertheste Entwicklung
der politischen Lage eine solche, welche uns einerseits Zeit läßt mit der
jetzigen Regierung ein Abkommen über die baldige Zahlung und Sicherung der
drei Milliarden zu treffen, andererseits aber den unvermeidlichen Regierungswechsel
so beschleunigt, daß die Anwesenheit unserer Truppen im Land uns noch Gelegenheit
gibt, auf die Krisis einen bestimmenden Einfluß zu üben. Gez. v. Arnim.“
[Antwort des Reichskanzlers: —nie nächste Aufgabe sei, die Regierung
des Hrn. Thiers zu unterstützen.) Berlin, 12. Mai 1872. An den kaiserl.
deutschen Botschafter Hrn. Grafen v. Arnim, Excellenz. Paris, Nr. 99, Nr. 885,
den 13. durch Feldjäger. Vertraulich. Ew. kc. gef. Bericht Nr. 70 vom
6. d. W die Lage und Aussichten der Parteien in Frankreich ist mir von
großem Interesse gewesen. Die darin niedergelegten Wahrnehmungen bestätigen
nur, was mir auch von anderer Seite her aus Privatnachrichten zukommt: daß die
orleanistischen Prinzen, namentlich durch ihr Verhalten in Geldangelegenheiten,
ihren Boden in Frankreich mehr und mehr verlieren, und ich stimme auch mit
Ew. Exellenz. darin überein, daß Deutschland keine Veranlassung hat, ihr Gelangen mit
Regierung zu wünschen, daß vielmehr, unter den verschiedenen Parteien, welche um
die Herrschaft streiten, das bonapartistische Kaiserthum wahrscheinlich diejenige ist,
von welcher sich noch am ersten ein leidliches Verhältniß zwischen Deutschland und
Frankräich hoffen läßt. Unsere erste Aufgabe bleibt natürlich immer,
die jetzige Regierung zu stützen, solange dieselbe für uns die Repräsentation
des Wiue ist, den Frieden loyal auszuführen. Was nach ihr kommt, wird sich
in dieser selben Richtung von Neuem uns gegenüber legitimiren müssen; wir haben
keinen Anlaß dabei, der bonapartischen Partei die Exelusive zu geben, und haben
daher auch keinen Grund irgend etwas zu thun, was sie schwächen, was ihr in den
Augen der Nation schaden oder ihre Stellung erschweren könnte. Eine aus unfrer
Zurückhaltung berausgeheude Parteinahme und Begünstigung für dieselbe würde
aber sicher diese Folge haben. Von diesem Gesichtspunkte aus bitte ich auch zu beachten,
was ich in meinem besonderen auf den Mars schall Bagaine bezüglichen Erlaß
vom heutigen Tage gesagt habe. Gez. v. Bismarck.
7.
(Bismarck wider Arnims Abneigung gegen Hrn. Thiers und seine private
Begünstigung der monarchischen Elemente in Frankreich.] Berlin, 18. Juni 1872
Grafen Arnim, Paris. Euer pp. hatte ich mir unter dem 2. d. M. erlaubt, zwei
( französische) Journalartikel zu übersenden, welche erzählen, daß Euer pp. sich in
Gesellschaft dahin ausgesprochen hätten: der deutschen Regierung sei an der Erhaltung
des Hrn. Thiers nichts gelegen. Eurer pp. Erklärung in dem gefälligen Berichte
vom 10., daß diese Artikel natürlich ganz aus der Luft gegriffen seien, ist
mir erfreulich, wenn auch einigermaßen unerwartet gewesen, insofern ich danach annehmen
darf, daß pp. dann überhaupt im Gespräche keine Aeußerungen gethan
haben, karh- zu den betreffenden Aeußerungen hätten Anlaß geben können. Die
Euer pp. zugeschriebene Beurtheilung der Situation und unseres Interesses an
derselben 4 v sehr im Einklange mit Ihrer Berichterstattung seit dem vor. Herbste,
daß ich, winn! Euer pp. derselben niemals geschäftsweise Ausdruck gegeben haben,
nur annehmen kann, daß es Euer pp. möglich geworden sei, überhaupt jeder Be-