— 38 —
Betens und Redens übten, allmählich die Gesundheit seines
wesens gegenüber puritanischen und weltfremden, nivellierenden
Tendenzen durchsetzte und zu weltlichem, unbefangenem,
heiterem, zärtlichem Derkehrston führte, alle anmaßliche
Ekstase in ruhig gemessene Gleichmähßigkeit in
Gott froher Juversicht sich auflöste. Don der weiter greifenden
Bedeutung dieses Kreises für das kirchliche und staatliche
Leben Preußens kann zunächst noch geschwiegen werden;
sie spielte bei Bismarcks Bekehrung keine Rolle.
Es war nun für ihn von größter Bedeutung, daß das
erste ekstatische Stadium, wobei Dienstboten sich zum Beten
und Reden vordrängten, bereits überwunden und auch
des Schwagers Ludwig v. Gerlach „Nopfhängen und Sauersehen“
zurückgedrängt war durch Thaddens gesunde Mischung
von geistreich fröhlichem Witz und gesammeltem Ernst. In
seiner Tochter Marie verband sich damit noch ein alle
pietistische Enge sprengender Schwung der Seele, während
ihr Bräutigam propagandistischen Eifergeist und ngriffslust
mit ungeheurer Gutmütigkeit und Seelenwärme zu
einem echten Tuypus junkerlicher Christlichkeit vereinte. Wie
schade, daß Blankenburg die Gegenbriefe des Jugendfreundes
in einer Anwandlung von Jorn über seinen Kbfall
in den 70er Jahren sämtlich vernichtete, so daß wir sie nur
aus den vielen Blankenburgschen rekonstruieren können.
Jedenfalls hat die derbe, engkreisige und weichherzige Bekehrungssucht
des selbst erst Bekehrten an Bismarcks klarem,
selbstbewußtem Denken unwiderstehlichen Widerstand gefunden.
Da er als bewiesen voraussetzte, was der andere
leugnete: sowohl die Richtigkeit seines Glaubens als auch