Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Uunmer  232

Kranf  und  S
rechtigt  gelten  Kinder  bis  zum  6.  Lebensfahr,
ferner  stillende  Mütter,  schwangere  Frauen  in
den  letzten  3  Monaten  und  endlich  Kranke  auf
Grund  einer  ärztlichen  Bescheinigung.  Diese  Ka.
lteqorien  allein  haben  Anspruch  auf  Vollmilch.
Aorrzugsberechtigt  sind  hierüber  hinaus  noch
Kinder  vom  vollendeten  6.  bis  zum  vollendeten
14.  Lebensjahr.  Wenn  also  die  zuerst  genann.
ten  4  Kategorien  die  ihnen  zustehende  Menge
Vollmilch  erhalten  haben  und  noch  eine  weitere
Menge  zur  Verfügung  steht,  so  wird  sie  in
erster  Linie  diesen  älteren  Kindern  zugute  kommen.
  Die  diesen  letzteren  gewährte  Menge  an
Vollmilch  wird  aber  dem  Haushalt  auf  die
Fettkarte  angerechnet.  Die  gesamte  übrige  Bevölkerung
  kann  nur  auf  Magermilch  rechnen.

Das  ist  das  nicht  sehr  erfreuliche  Ergebnis,
bei  dem  unsere  Ernährungspolitik  jetzt  angelangt.
  Der  einzige  Trost  für  die  Zukunft  liegt
darin,  daß  unser  Rindviehbestand  in  letzter
Zeit  eine  Junahme  zeigt,  die  allmählich  sich
amt  in  der  Milcherzeugung  aussprechen  muß.
Die  Verteilung  des  Brotaufstriche.

Würzburg,  4.  Okt.  Wie  verlautet,  geht
man  an  den  zuständigen  Stellen  mit  dem  Gedanken
  um,  die  sämtlichen  zuckerhaltigen  Brotaufstrichmittel,
  wie  Marmelade,  Honig  u.  dgl.
auf  die  einzelnen  Bundesstaaten  nach  einem
Verteilungsschlüssel  auszuteilen.  Es  ist  zugleich
beabsichtigt,  daß  in  den  cinzelnen  Bundesstaaten
eine  Nationierung  der  Brotaufstrichmittel  erfol.
gen  soll,  genau  so,  wie  die  Verteilung  von
Brot.  Fleisch  usw.  Der  Verteilungsschlüssel  auf
die  einzelnen  Bundesstaaten  soll  abgefaßt  werden
  vor  allem  unter  Berücssichtigung  der  Bevöllerungsschichten,
  der  industriellen  und  anderweitigen
  Beschäftigungsart  der  Bevöllerung
usw.  Die  vorbereitenden  Maßregeln  dürften
in  nächster  Zeit  schon  die  Oeffentlichkeit  be.

äftigen.

baueriices  ot  erlza

Miesbach,  4.  Okt.  Die  Goldquelle  ist  noch
nicht  versiegt.  Es  dürftr  von  Interesse  sein,
zu  erfahren,  daß  ein  Bauer  im  Amtsbezirk
Miesbach,  und  zwar  in  der  Gegend  von
Schaftlach,  für  2000  Mark  Kriegsanleihe  gezeichnet
  und  den  Betrag  von  2000  Mark  bar
in  Gold  einbezahlt  hat.

ngere.  Afs  versorgungebe.

 

 

s#emenunes

Sttzung  des  Kolleglums
der  Gemeindebevollmächtigten  der
Stadt  Rosenheim.

Amn  Mittwoch,  den  4.  Ollober  1916
vormittags  12  9  Uhr
Anwesend:  22  Mitglieder.
Vorsitzender:  G.-B.  Finsterwalder.
Fabrikerweiterungsbau  M.  Beilhack.


Durch  einen  von  Fabrikant  M.  Beilhack  geplanten
  Erweiterungsbau  seiner  Fabrik  ist  eine
Aeberwölbung  des  dortigen  Baches  erforderlich.
  Der  Magistrat  genehmigte  diese  Ueberwölbung
  und  setzte  eine  jährliche  Rekognitionsgebuhr
  von  50  Mk.  dafür  fest.  M.  Beilhack
lrechle  in  einer  Zuschrift  an  das  Kollegium
der  Gemeindebevollmächtigten  eine  Abfindungssumme
  von  .  in  Vorschlag.  Da  dieses
Angebot  dem  Magistrat  noch  nicht  vorgelegen
hat,  beschloß  das  Kollegium,  den  Alt  zuerst
dim  Magistrat  zur  Verbescheidung  hinüberzugeden.


Die  Bürgerrechtsgebühren.

Das  Arbeitersekretariat  Rosenheim  übermittelte
  seinerzeit  dem  Stadtmagistrat  ein  Gesuch
um  Neuregelung  der  Bürgerrechtsgebühren,  na-—emlid
  auch  im  Hinblick  auf  die  Kriegsteilnehmer.
  In  der  Folge  veranstaltete  der  Magitrat
  eine  Umfrage  in  den  verschiedenen
Städten  Bayerns,  um  zu  erfahren,  wesche
Etellungd  man  dort  dazu  eingenommen  hat.  Die
großen  Städte  Bayerns,  darunter  München,  haben
  die  Bürgerrechtsgebühren  gonz  aufgehoben,
die  anderen  Städte  haben  dem  Wunsche  nach
unentgeltlicher  Verleihung  des  Bürgerrechtes  an
die  Kriegsteilnehmer  mehr  oder  weniger  enisprochen.
  In  Rosenheim  sind  die  Bürgerrechtsgebühren
  letztmals  im  Jahre  1911  festgesetzt

worden.

Jetzt  beschäftigte  sich  die  Kommission  ein
gehend  mit  kier  Frage  und  stellte  darüber  ein
neues  Regulativ  fest.  Je  nach  dem  Steuerlatz
  beginnt  darnach  die  GeFbühr  mit  30  Mk.
und  fteigt  bis  auf  95  Mk.  Diese  S  sollen
indelsen  nur  für  Deutsche  Geltung  haben;  für
Ausländer  sollen  die  doppelten  Beträge  In  Anlatz
  gebracht  werden.  Befreit  von  der  Entrichlung
  der  Bärgerrechtsgebühr  sind  die  Müutgtiever
  der  Feuerwehr  und  der  Sanitätskolonne
noch  15  fähriger  aktiver  Dienstzeit,  ferner  die
Kampsieilnehmer  im  jetigen  Krieg  auf  Antrag,
wenn  sie  Jahre  in  Rosenheim  wahnten
und  mden  sessen  fünf  Jahien  kngenen  Frri
h  en  nichi  verurteilt  waren.  Um  eine
wohlwollende  Verbescheidung  all  dieser  Anträge
zu  gewährleisten,  soll  deren  Erledigung  je  in
das  Cimessen  des  Stadtmagiltrates  geliellt  leia.

Roseneimer  Angelgen

G.-B.  Göpfert  bedauerte,  das  man  die  Verleihung
  des  Bürgerrechts  an  Kriegsteilneymer
abhängig  mache  von  fräheren  Siuesen  Keinesneswegs
  sei  es  zu  bilkigen,  dast  die  Verbesch#idung
  in  das  Ermessen  des  Stabtmagistrats  getellt
  werde.  Die  Verhältnisse  #önnten  sich  amdern,
  und  es  lönnte  die  niederträchtigste  Parleiwittschaft
  damit  getrieben  werden.  Wenn  ein
Mann  sen  Leben  in  die  Schanzen  schlage,  verdienc
  er  nicht,  daß  man  ihm  nachher  noch  w##,
den  Strafen  schaue.  Die  Heeresverwaltung  habe
boch  auch  nicht  darauf  geschaut.

Der  Vorsitzende  verweist  darauf,  daß  die
Kommission  nur  schwere  Reate  im  Auge  habe;
leichte  Strafen  sollten  selbstverständlich  nicht  in
Betracht  lommen.  ·

v«).:B.Göpfcrtwundcttfich,dußncanhcnle
iibckhauptnochntitfolchenKettenfpmmen
iöiciir.WerthttcfcinLebcneinscljc.habebns
durch  alles  abverdient.  Unbedingt  sollte  die
unentgeltliche  Bürgerrechtsverleihung  in  Rosenheim
  jo  gehandhabt  weroen  wie  in  einer  Reihe
von  anderen  Städten  auch.

H.  Ruedorsfer  widerspricht  dieser  Aufsalmung.
  Der  Magistratsvorstand  habe  in  der
vetr.  Kommissionssitzung  die  entgegenkom—-mendsten
  Versicherungen  abgegeben.  Ganz  ohne
weileres  werde  die  Verleihung  des  Bürgerreihls
  wohl  nicht  gehen.  Die  Forderung  der
zijährigen  Ortsanwesenheit  entspreche  den  gesetlichen
  Bestimmungen.  Im  Hinblick  auf  die
Zusicherung  der  humansten  und  loyalsten  Behandlung
  der  Gesuche  durch  den  Magistrat  könne
von  Ketten  sicherlich  nicht  gesprochen  werden.

G.-B.  Wendl  schließt  sich  dieser  Auffassung
aon.  Eine  Einschränkung  müsse  den  neuen  Bestimmungen
  schon  eingefügt  werden.

G.-B.  Schmidt  meint,  daß  es  über  diese  Frage
eigentlich  gar  keiner  Debatte  bedürfte.  Es  jei
selbsrverständlich,  daß  man  sich  bei  schweren  Freiheitsstrafen
  vorsehen  müsse.  Der  Magistrat  wer-Tde
  sicherlich  jeden  Fall  wohlwollend  prüfen.  Es
frage  sich  noch,  wer  Kampfteilnehmer  sei  und
wer  nicht.  Darüber  gebe  der  Militärpaß  jeweils
dir  beste  Auskunft,  da  alle  Schlachten  darin  verzeichnet
  wären,  an  denen  der  Inhaber  teilgenommen
  habe.  Besser  hätte  die  Bestimmung
Lelleiicht  gelautet,  wenn  man  gesagt  hätte,  das
Bürgerrecht  wird  jedem  Kriegsteilnehmer  unentgeltlich
  verliehen,  der  nachweisbar  an  einem
Kampf  teilgenommen  hat.

G.-B.  Langenegger  widerspricht  dieser  Auslegung
  für  den  Begriff  Kampfteilnehmer.  Es
ware  viel  besser,  eine  derartige  Bestimmung  in
das  neue  Statut  überhaupt  nicht  aufzunehmen,
der  Magistrat  lkönnte  es  ja  selbst  erledigen.
Gänzlich  hinfällig  sei  der  Unterschied  zwischen
Kriegs--  und  Kampfteilnehmer.  Auch  der,  welcher
  nicht  gerade  an  einer  Schlacht  teilgenommen
habe,  hätte  doch  sein  Leben  und  seine  Gesundheit
  geopfert.  Es  bleibe  sich  gleich,  o#  einer
  in  der  Front  stehe  oder  ob  er  n  den  Kasernen
  dem  Vaterlande  seine  Kraft  widme  oder
ob  er  im  Transportgebiete  seine  Gesundheit
opfere.  Die  unentgeltliche  Verleihung  des  Bürgerrechts
  müsse  für  alle  Kriegsteilnehmec  frei
ein.

G.-B.  Breitenhuber  äußert  sich  ebenfalls  gegen
  dic  neuen  Bestimmungen.  Sie  paßten
überhaupt  nicht  mehr  in  unsere  Zeit  hinein.
Man  hätte  für  diese  Frage  schon  eine  freiere
Regelung  erwarten  dürfen.  Wenn  man  die  Bürgerrechtsgebühen
  nicht  ganz  wolle  fallen  lassen,
so  hätte  man  doch  die  Steuerabstufungen  so
ansetzen  können,  daß  die  Mindeststeuersätze  frei-Scblieben
  wären.  Früher  schon  habe  er  auf
Härten  hingewiesen,  welche  der  bayer.  Gesetzgebung
  in  dieser  Hinsicht  anhaften,  die  aber
auch  jetzt  wieder  nicht  berücksichtigt  worden
wären.  Der  durch  Wegfall  der  Bürgerrechtsgebuhren
  entstehende  Ausfall  könne  nicht  grotz
sein,  denn  es  handle  sich  für  gewöhnlich  hur
um  ein  paar  hundert  Mark.  Wenn  Rosenheim
daran  zu  Grunde  gehen  könnte,  dann  solle  es
lieber  gleich  zu  Grunde  gehen.  Heute  habe  die
ganze  Frage  des  Bürgerrechts  nur  noch  problematischen
  Wert,  deshalb  sollte  man  sich  auf  die
neuen  Beslimmungen  nicht  versteifen.  Zum  mindesten
  sollte  der  Zusatz  angefügt  werden,  daß
die  Steuerstufen  anders  geregelt  und  die  Gebuhren
  für  das  Bürgerrecht  herabgesetzt  werden.
  Selbst  30  Mk.  seien  heute  für  einen  Arbeiter
  noch  zu  viel.

G.-B.  Wendl  hält  die  Deutung,,  daß  unter
Kampfteilnehmer  nur  der  Schlachtteilnehmer  zu
verstehen  sei,  für  zu  eng  gezogen.  All,  die  im
Felde  Pehen,  verdienen  die  unentgeltliche  Verleihung.
  Im  übrigen  müsse  aber  eine  gewisse
Ordnung  Platz  greifen.

G.-B.  Göpfert  wendet  sich  nochmals  gegen
die  Einschränkung  durch  die  Freiheitsstrafe.  Zur
Verteidigung  des  Landes  sei  die  Strafe  kein
Hmdernis,  wenn  aber  der  Mann  wieder  nach
Hause  komme,  rechne  man  sie  ihm  an.  Darin
liege  ein  Widerspruch,  den  die  Heeresleitung
nicht  kenne.  Die  Folgen,  welche  bei  einseitiger
Behandlung  der  Frage  lommen  müßten,  würden
  nicht  ausbleiben.

3  Schmidt  au  ven  Standbunk
daß  von  einseitiger  andlung  keine  Rede  sein
tönne.  In  ähnlichem  Sinne  äußert  sich  4#
G.  B.  uer;  wer  Rechte  habe,  habe  auch
Pflichten  zu  tragen.

G.-B.  Geistaller  meint,  wenn  man  das  Bürgerrecht
  nur  den  achtteikehmern  unentgelt- 



lich  verleihen  wolle,  würde  man  es  ei  i
mur  den  Toten  geben,  denn  gar  niele  Sa

 

die  mitkämpfen,  würden  bedauerlicherweise  nicht
mehr  zurückkehren.  Deshalb  sei  oiese  Definition
  nicht  billig.  Auch  im  Transportgebiet  seien
schon  viele  des  Heldentodes  geslorben,  ohne
selbst  an  einer  Schlacht  teilgenommen  zu  haben
Er  schticße  sich  ganz  der  Meinung  des  G.-B.
Breitenhuber  an,  aus  Gründen  der  Bllligkeit
und  der  Gerechtigteit.

G.-B.  Schrettenseger  glaubt,  daß  in  der  Niederschrift
  der  Kommission  der  Beschluß  nicht
rollinhaltlich  niedergelegt  sei.  Oeshalb  sei  es
das  beste,  die  Frage  der  Kommission  zurückzuverweisen.
  Auch  G.-B.  Ruedorffer  macht  darauf
aufmerksam,  daß  offenbar  in  8  2  der  neuen
Bestimmungen  in  der  Niederschrift  ein  Lapfus
unterlaufen  sei.  G.-B.  Breitenhuber  slimmt  dem
Antrag  des  G.-B.  Schrettenseger  zu,  weil  durch
eine  nochmalige  Beratung  die  heute  geäußerten
Bedenken,  namentlich  auch  ͤn  Bezug  auf  die
Steuersätze  beseitigt  werden  könnten.  Äuch  G.  B.
Huber  (Kaiserstraße)  äußert  sich  für  Zurückverweisung
  an  die  Kommission,  dam  könnten
rerschiedene  der  heute  geäußerten  Bedenlen
  beseiligt  werden.

Das  Kollegium  beschloß  dann  einstimmig,  die
Frage  nochmals  an  die  Kommission  zurückzuverweisen.


 

FEaichnachricht
Rosenheim,  5.  Okt.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Joseph  Walther,  Lehrer  aus  Rosenheim,  Vizeseldwebel
  und  Offiziersaspirant  im  15.  Inf.=Reg.;
  Joserh  Mayer,  Steiner  aus  Anker  bei
Roßholzen,  Soldat  im  3.  Inf.-Reg.:  Gevcg
RNappel,  Huberbauerssohn  aus  Östadt  am
Chiemsee,  Soldat  im  Inf.-Leib  Ren.;  Philipp
Giessibl,  Söldnerbauerssohn  aus  Hausmehring
bei  Esselsing,  Soldat  im  16.  Res.,  Jaf.  Reg.;
Joseph  Renner  aus  Bad  Aibling,  früher  Bäder
in  Neubeuern;  Jollunn  Roß.  Oekonom  aus
Wimpasing  bei  Ampfing,  Soldat  im  16.  Jof.=Reg.;
  Emilian  Zech  aus  Oberberglkirchen,  Vizewachtmeister
  im  12.  Feld--Art.  Reg.,  Inhuber
des  Eisernen  Kreuzes  2.  Klasse  und  des  M.
literverdienstkreuzes  3.  Kl.  mit  der  Krone  und
mit  Schwertern.

Auszeichnung.  Der  Geldzähier  der  Kgl.
Filialbank  Franz  Taver  Lenz,  Schirrmeister  im
Artilleriedepot  Ingolstadt,  erhielt  das  Militärverdienstlreuz
  2.  Kl.  mit  Schwertern.

Tie  Besuchsverhältuisse  an  unseren
  Mittelschulen  haben  sich  in  den  Kriegsjahren
  gut  entwickelt.  Fast  durchwegs  ist  eine
Sleigerung  der  Schüierzahl  zu  verzeichnen.  Das
GEnmnasium  zählt  im  laufenden  Schuljahr  199
Schüler  gegen  198  im  letzten  Jahre  und  207
vor  zwei  Jahren.  Die  Realschule  besuchen  heuer
391  Schüler  gugen  370  bezw.  331  in  den  zwei
voraufgegangenen  Jahren.  Die  Präparandenschule
  wird  in  diesem  Jahre  von  75  Schilern
besucht  gegen  62  im  letzten  und  55  vor  zwei
Jahren.  Die  höhere  Mädchenschule  zählt  237
Echutc#innen  gegen  233  bezw.  222.  Den  neuen
ersten  Kurs  der  Mädchenmittelschule  besuchen  30
Schulerinnen.  Das  Gymnasialpensionat  zählt  45
Ganz=  und  9  Halbzöglinge  gegen  53  und  7  im
letzten  Jahre  und  45  uno  5  vor  zwei  Jahren.
Im  Realschulpenfionat  sind  106  Ganz=  und  10
Haibzöglinge  heuer  untergebracht;  im  vorigen
Johre  waren  es  98  bezw.  13.  vor  zwei  Jahren
82  beer.  10.  Im  Pensionat  der  Mädchenschule
betugt  die  Zahl  der  Ganzzöglinge  heuer  345;
Halbzöglinge  sind  es  25.  Im  letzten  Schuljahr
betrug  ihre  Zahl  50  bezw.  25,  vor  2  Jahren

be:w.  14.  Diese  günstige  Fortentwick.ung
trotz  des  Krieges  wrrd  sicherlich  allgemein  sehr
begrüß  werden.

Der  kath.  Frauenbund  beginnt  seine
Vcreinstätigleit  mit  einem  Vortrag  uber:
„Kricgsarbeit  und  Friedensaussicht“.  Referent
ist  HH.  Dr.  Meßmer  aus  München.  Es  wird  erwartel,
  daß  die  Mitglieder,  sowie  die  Jugendadteilung
  sich  vollzählig  zu  diesem  interessanlten
  Abend  einfinden,  um  mit  neuem  Eifer  an
die  Aufgabe  des  Vereins  heranzutreten:  Sozialer
  Wirlen  auf  katholischer  Hrundlage.

Verein  „Maria  Stella“.  Am  3.  Okt.
and  die  Monatsversammlung  obigen  Vereins
statt.  Der  Besuch  war  äuherst  gut.  Der  Präses,
H.  Stadtkaplan  Schönlinner,  begrüßt:  die  Erschienenen
  und  gab  auch  bekannt,  daß  zur  Erinnerung
  an  die  Gründung  des  Vereins  am
22.  Okt.,  morgens  6  Uhr,  während  der  heiligen
Messe  Generalkommunion  in  der  Stadtpfarrkirche
  stattfindet.  Am  gleichen  Tage,  nachmittags
  5—7  Uhr,  ist  die  erste  Zwischenversammlung,
  welche  künftig  jeden  3.  Sonntag  stattfindet.
  Dabei  wird,  wenn  auch  infolge  der  jeizigen
  Zeit  in  nur  ganz  bescheidener  Weise,  das
Stiftungsfest  gefeiert.  Der  Beginn  des  Minter-Putzkurses
  ist  auf  Mittwoch,  den  1.  Okt.,
sestgesetzt.  HH#.  Stadtkaplan  Jäger  hielt  dann
einen  Bortrag  über  die  Seeschlacht  am  Skagerrak.
  Redner  ließ  uns  in  einem  Nückblick
vorerst  frühere  Seeschkachten  schauen  und  gab
dann  ein  vortreffliches  Bild  über  Ararikt,  Verlauf
  und  Ausgang  der  letzten  Seeschlacht.  Die
Ausführungen  waren  so  gut  gezeichnet,  daß  sich
die  Jubörer  einen  anschaulichen  Begriff  machen
  konnten  über  die  Lage  und  Bewegungen
sowohl  unserer  als  auch  der  feindlichen  Flott#
wäöhrend  des  SZampfes.  Starker  Beifall  be-Freitag,

  0.  Oktober  1016

lohnte  den  Redner  für  das  interessante  u.  lehrreiche
  Referat.  Große  Freude  bereitete  die
Ausnahme  von  12  neuen  Mitgliedern.  Die  nächste
  Versammlung  findet  am  7.  November  statt.

Herabsetzung  der  Bierpreise.  Jei#
der  Staatsregierung  haben  nach  der  „Frän#ischen
  Tagespost“  in  der  vorigen  Woche  Besprechungen
  mit  Brauereibesitzern  stattgesunden,  wobei
  auch  über  die  Bierpreise  verhandelt  wurve.
Von  den  meisten  Brauereibesitzern  wurde  angesichts
  der  geringeren  Stammwürze,  die  vie
Biere  jetzt  enthalten,  eine  Herabsehung  des
Preises  um  2  Mark  pro  Hekkoliter  angemessen
erachtet,  wenn  das  Malzkontingent  nicht  weiter
herabgesetzt  wird.  Nur  ein  Fürther  Grohbierbrauer
  soll  widersprochen  haben  mit  dem  Hinweis,
  daß  die  Bierpreiserhöhung  von  den  Konsumenten
  ohne  jede  Erregung  und  ohne  Widerspruch
  hingenommen  wurde.

Der  in  Schliersee  verhaftete  Bank,
lassier  Sauter,  der  in  einem  Mannheimer
Bankhaus  520000  Mark  unterschiug  und  durchging,
  hat  mit  seiner  Geliedten  in  der  letzten
Woche  auch  unsere  Gegend  mit  seinem  Besuche
Uehrt.  Die  beiden  hielten  sich  zurze  Zeit  ir
Munchen  auf,  von  wo  aus  sie  bann  einen  Aussing
  in  das  Gebirge  machten,  und  sich
daun  der  Reihe  nach  in  Brannenburg,  Oberaudorf,
  Bayrischzell,  und  Schliersee  vergnügten.
Sauter  trug  bei  seiner  Verhaftung  in  Schliersee
  von  dem  unterschlagenen  iHelde  nur  7000
Mark  bei  sich,  doch  konnte,  wie  woch  berichtet
wird,  der  größte  Teil  des  unterschlagenen  Gelder
  auswärts  aufgefunden  und  beigebrucht  weren.


Lagerung  von  Kartosseln  in  den
Hauohaltungen.

Der  Stadtmagistrat  erließ  unterm  26.  o.
Mts.  eine  Bekanntmachung  über  die  Regelung
der  Kartoffelwersorgung  für  die  Wintermonate.
Darnach  werden  sich  viele  Familien  entschließen,
ihren  Bedarf  selbst  einzulagern.  Deshalb  machen
wir.  im  nachstehenden  auf  ein  Merkblatt  über
Ausbewahrung  und  Pflege  von  Kartoffeln  in
den  Saustaltungen  ganz  besonders  aufmertsam.

I1.  Stohe  und  werfe  die  Kartoffeln  nicht,  denn
lede  Druchstelle  gibt  leicht  Anlaß  zur  Fäulnis.

2.  Richte  dich  ein,  daß  du  mit  der  dir  zuge
teilten  Menge  bis  zur  nächsten  Ernte  auskommtt.
Schölc  die  Kartoffeln  dünn,  dem  dicht  uUnter
der  Schale  sitzt  der  größte  Nährwert.  Wäyks
zum  taglichen  Gebrauch  nicht  stets  die  besten
aus,  sondern  umgekehrt,  denn  die  dicksten  und
schönften  Kartoffeln  halten  sich  am  längsten.

3.  Besichtige  die  Kartoffeln  jede  Woche  mindestens
  einmal  Lründlich  und  scheide  diesjenigen
zum  alsbalbigen.  Gebrauch  aus,  die  Anzeichen  des
lommenden  Verderbens  zeigen.

4.  Lee  die  Kartoffeln
sondern  in  niedrige  mit
Kisten  (Eierkisten)  damit  sie  nicht  zu  lagern
  und  rundum  von  der  Luft  bespült  werden
lönnen.  Lege  einige  Querhölzer  unter  die  Kiste
Reicht  eine  derartige  Kiste  nicht  ans,  so  lege  auch
Querhohzer  auf  diese  und  stelle  noch  eine  weitere
  Kiste  auf  sie  und  nach  Bedarf  noch  mehrere
  in  gleicher  Weise.  Durch  diese  Aukstupelung
  verlierst  du  auch  wenig  Raum.  In  grohen,
festen  Kisten  ersticeen  die  Kartpffeln.

5.  Hast  du  Platz  genug,  um  die  Kartoffein
auf  ben  Kellerboden  zu  lagern,  so  lege  in  einem
Abitand  von  2—3  Zentimeter  verlegte  Kistenbretter
  unter,  stelle  solche  auch  an  die  Miunde.
Stroh  als  Unterlage  ist  nicht  zu  empfehlen.
Schichte  die  Huartoffeln  nicht  höher  als  50  Zentineter
  auf.

6.  Sorge  für  eine  gute  Durchlũftung  des  Kellers,
  halte  an  warmen  Tagen  das  Fenster

—

..  se,
Et  bine

ot-R

  n

 

dauern?  (röffnet,  im  Winter  öffne  es  nur  an
stostfreien  Stunden  in  der  Mittagszeit.

7.  Halle  das  Tageslicht  von  den  Kartoffeln
leirn,  denn  es  fördert  das  Auskeimen  der  Karloffeln;
  dringt  das  Tageslicht  ein  und  du  mabt
lüften,  so  hänge  einen  losen  Lappen  vor  das
geöffnete  Fenster.

8.  Sorge  dafür,  daß  die  Temperatur  in
deinem  Kartoffelkeller  nicht  unter  —  3  Grad

sinkt  vud  nicht  über  12  Grad  Celsius  steigt:

linte  dir  deshalb  einen  Thermometer  in  deinen
eller.

9.  Zeigen  die  Kartoffeln  keine  VeränderunlniSer=


  so  lasse  sie  ruhig  liegen.  Treten
schemungen  auf,  so  lese  die  kranken  Kuollen  aus.
Keimen  die  Kartoffein,  so  lasse  die  Keime  micht
weiterrecchsen,  vielmehr  entferne  sie  behutsam.,
deimm  das  Auskeimen  geschieht  auf  Kosten  des
in  der  Knolle  enthaltenen  Nährstoffes  und
Ceschmackes.  Bei  dem  Auslesen  und  dem  Entkeimen
  schichte  die  Kartoffeln  um.

.  Zeigen  sich  beim

 

10  Kochen  schwarze  Kartoffeln,
  so  wirf  sie  nicht  fort,  gieße  vielmehr-  #
ihrem  Carwerden  dem  r  einen  I
EisigzmdieichwatzenAchtsamklikkenf
oamyohuedahdetGel  der  Kartoffel
lich  verichlechtert  hat.

Wetterdericht  für  Freitag  den  6.  Oktober  101

 

Unbeständig,  zeitweise  Aegen.

—