Inhaltsverzeichnis : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

650  X  Reich.  (Juni  16.—18.)

denen,  die  sich  mit  der  Möglichkeit  einer  Verständigung  weiter  beschäftigen
wollen,  zurückgelassen  haben,  das  trägt  zwar  den  Stempel  soz.  Herkunft,
aber  es  ist  wahrlich  nicht  dazu  angetan,  uns  in  der  Welt  bloßzustellen.  Wir
können  die  Antworten  der  fremden  Sozialisten  mit  Gemütsruhe  abwarten.

16.  Juni.  (Preußen.)  Ablegen  von  Namenszügen  feindlicher

Herrscher  im  preuß.  Heer.

Diie  „Köln.  Ztg.“  teilt  mit:  Wie  wir  von  zuständiger  Seite  hören,
haben  in  der  preuß.  Armee  die  Truppenteile,  die  bisher  den  Namenszug
eines  feindlichen  Herrschers  usw.  auf  den  Schulterklappen  führten,  auf  Allerhöchsten
  Befehl  diesen  Namenszug  abgelegt.  Die  Namenszüge  verstorbener
Herrscher  der  jetzt  mit  uns  verfeindeten  Länder  werden  nicht  abgelegt,  da
die  Erinnerung  an  diese  mit  uns  treu  verbündet  gewesenen  Fürsten  in  der
Geschichte  der  preuß.  Armee  fortlebt.

16.  Juni.  (Württemberg.)  Zulassung  der  Klöster.

Im  Finanzausschuß  der  Zweiten  Kammer  richtet  bei  der  Beratung
des  Kultusetats  der  Vorsitzende  Dr.  v.  Kiene  (Ztr.)  die  Anfrage  an  die
Regierung,  ob  sie  geneigt  sei,  einem  Antrage  des  Bischofs  von  Rottenburg
im  Sinne  des  Art.  15  Abs.  1  des  Ges.  vom  30.  Jan.  1862  auf  Zulassung
von  Männerklöstern  für  die  Zeit  nach  Kriegsende  zuzustimmen.
Kultusminister  Dr.  v.  Habermaas  antwortet  im  Namen  der  Regierung:
  An  die  Regierung  sei  von  der  gesetzlich  allein  zuständigen  Stelle,
dem  Bischof  von  Rottenburg,  bisher  ein  Ersuchen  um  Geneigtheit  zur  Einführung
  von  Männerorden  nicht  gelangt.  Sollte  dies  geschehen,  so  würde
sich  die  Regierung  unter  Würdigung  der  Zeitumstände  mit  der  Frage  beschäftigen.
  Aus  naheliegenden  Gründen  halte  sie  aber  während  des  Krieges
deren  Erörterung  für  unerwünscht.  —  Von  den  Parteivertretern  wird  ein
Widerspruch  gegen  die  Zulassung  nicht  erhoben.

17.—18.  Juni.  (Sachsen.)  Besuch  König  Ferdinands  von
Bulgarien  am  Kgl.  Hofe.

In  seiner  Begleitung  befinden  sich  Kronprinz  Boris,  Prinz  Kyrill
und  Ministerpräsident  Dr.  Radoslawow.  Bei  der  Hoftafel  am  17.  werden
zwischen  den  Herrschern  herzliche  Trinksprüche  gewechselt.

18.  Juni.  Ein  neuer  „Baralong“-Fall.

Das  „WB."  meldet  amtlich:  Aus  den  nunmehr  vorliegenden  eidesstattlichen
  Aussagen  der  Geretteten  des  Torpedobootes  „8S.  20“,  das,  wie
seinerzeit  veröffentlicht,  am  5.  Juni  nach  heftigem  Gefecht  mit  überlegenen
feindlichen  Aufklärungsstreitkräften,  bis  zum  letzten  Augenblick  feuernd,  vor
der  flandrischen  Küste  gesunken  ist,  wird  über  das  Verhalten  der  Engländer
bei  Rettung  der  Ueberlebenden  von  „S.  20“  folgendes  festgestellt:  Kurz  nach
dem  Untergang  des  Bootes  fuhren  engl.  Zerstörer  an  die  im  Wasser  treibenden
  Schiffbrüchigen  heran.  Ein  Zerstörer  mit  der  Bezeichnung  „F.  51“
setzte  einen  großen  Torpedobootskutter  aus,  der  bei  dem  herrschenden  ruhigen
Wetter  gut  20  Mann  fassen  konnte.  Er  übernahm  jedoch  nur  sieben  Ueberlebende.
  Die  übrigen  im  Wasser  treibenden  und  zum  Teil  schwer  verwundeten
  Leute,  u.  a.  die  Maschinistenmaate  Ihle  und  Nitsche,  die  später
beide  ertrunken  sind,  wurden  durch  Schläge  mit  Seitengewehren  und  mit
Hölzern  zurückgeschlagen,  als  sie  sich  an  dem  Kutter  festhalten  wollten;  einem
hielt  der  Bootsoffizier  sogar  die  Pistole  vor  die  Stirn.  Die  Besatzung  des
Zerstörers  machte  keine  Anstalten,  etwa  zehn  Leute,  die  nur  zwei  bis  fünf
Meter  vom  Zerstörer  entfernt  schwammen,  zu  retten.  Nach  dem  Einsetzen