206 Der Feldzug 1870/71. Das Deutsche Reich bis 1873.
worden. Und dieser wurde gerade Justizminister. Man hatte
auch an Gerber gedacht. Aber der Wunsch aller Winister
ging dahin, ihn für das Kultusministerium zu gewinnen.
Endlich erzählt er von dem Begräbnis Schneiders, bei dem
Frau und Tochter anwesend waren.
Nachdem der König zurückgekehrt war, reiste Albert am
2. Oktober nach Wien. Auf dem Bahnhof empfing ihn der
Kaiser, der, wie Albert seiner Gattin schreibt, wohl aussah
und ganz guter Laune war. Wie muß dieses Wiedersehen
der beiden Vettern und Freunde gewesen sein! Ob nicht
ein leises Gefühl des Neides bei Franz Joseph sich regte,
da er sah, wie glücklich und glorreich alles für Albert ab-
gegangen war? Aber ich glaube, daß er ihm alles gönnte, ja
daß er sich sehr darüber freute. Denn im Grunde des Her-
zens hat er sich immer als deutscher Fürst gefühlt. Auch
den Freund Albrecht sah Albert wieder. Er blieb nach Tisch
bei ihm, um ihn über den Krieg auszuquetschen. Das läßt
sich denken, denn einem so begeisterten Soldaten wie dem
Erzherzog konnte ja nichts Schöneres erzählt werden als
Kriegstaten.
Von Wien fuhr Albert mit seinem kaiserlichen Vetter nach
Ischl zu den gewohnten Jagden, die ihm in diesem Jahre
doppelte und dreifache Freude machten, nachdem er sie so
lange entbehrt hatte. Bei der Erzherzogin Sophie hatte er ein
Diner mit dem König und der Königin von Hannover. Was
mögen die letzteren wohl gedacht haben? Die Jagden litten
etwas unter dem schlechten Wetter. Carola war unterdessen in
die Schweiz gereist. Alberts Gedanken verfolgen sie dort,
besonders als sie in Einsiedeln weilte, wo sie wohl besonders
Dank für seine glückliche Heimkehr aus dem Kriege aussprach.
Anach Beendigung der Jagden kehrte Albert noch einmal
nach Wien bez. Schönbrunn zurück. Er sah sich einiges in
der Stadt an, besonders das Arsenal. Seiner Gattin schreibt
er: „Da ich dann noch Zeit hatte, so fuhr ich nach Hetzen-
dorf, um mir die lieben Räume wieder einmal anzusehen.