Full text: König Albert von Sachsen von Johann Georg, Herzog zu Sachsen.

Mißtrauensvotum des Landtags. Ministerwechsel. 335 
  
zweiten Tochter meines Bruders Maria Alix, jetzt Prin- 
zessin Franz Joseph von Hohenzollern, erfreut. Der Herbst- 
aufenthalt in Sibyllenort dauerte vom 29. Oktober bis 12. Ao- 
vember. Am 12. Dezember fand eine erhebende Feier zum 
100. Geburtstag König Johanns statt. König Albert konnte 
zu seiner großen Freude derselben beiwohnen. 
Das neue Fahr 1902 begann in der gewohnten Weise. 
Als wir zur Gratulation zum König kamen, sagte er zu 
meinem Vater, das würde wohl sein letztes Jahr sein. Wir 
sahen ja auch, wie er sichtlich immer schwächer wurde. Trotz- 
dem erschien er bei allen Hoffestlichkeiten. Zu Kaisers Ge- 
burtstag schickte er meinen Vater nach Berlin. Gleich darauf 
machte der deutsche Kronprinz seinen Besuch in Dresden. Im 
Februar mußte ich im Auftrag des Königs die Besuche in 
Weimar und Gotha erwidern. 
Aun mußte er auch ein ihn betrübendes Erlebnis durch- 
machen. Die 2. Kammer sprach den Ministern ihr Miß- 
trauen aus, besonders der Finanzgebarung des Ministers 
von Watzdorf. Sie reichten alle ihr Abschiedsgesuch ein. 
Der König, der in Leipzig weilte, kehrte zurück. Er lehnte 
das Gesuch aller Minister ab mit Ausnahme desjenigen von 
Watzdorfs. An dessen Stelle trat der Justizminister Rüger, 
was einen schweren Entschluß in diesem Augenblick bedeutete. 
Justizminister wurde Dr. Otto. Die Königin getraute sich 
wieder einmal, den König zu verlassen, und reiste auf einige 
Tage nach Sigmaringen. Am 13. März wohnte der König 
im Gardereiterkasino dem Vortrag des Oberleutnants Kirsten 
über seine Erlebnisse und Erfahrungen in China bei, konnte 
aber nicht mehr so recht folgen. 
Am 17. ernannte mich der König zum Kommandeur des 
Schützenregimentes. Zum 23. April kam wiederum der 
Kaiser. Wir hatten alle in der Familie den Eindruck, 
daß das sein letzter Geburtstag wäre. Anfang Mai reisten 
König und Königin nach Sibyllenort. A##emand ahrnte, 
daß er nicht wiederkommen sollte. Zu Pfingsten kamen
	        
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