Contents : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

bestand  die  letzte  Weisheit  der  „über  den  Parteien“
schwebenden  Bethmannschen  Regierungspolitik  nur  noch
in  einer  krampfhaften  Majoritätsbildung  von  Fall  zu
Fall  und  in  einer  Verstimmung  wechselnder  Minori—
täten.

Die  Sozialdemokratie  als  Vertreterin  großer  Teile
der  von  Parteiorganisationen  straff  zusammengefaßten
Arbeiterschaft  mußte,  soweit  ihre  politischen  und  wirt—
schaftlichen  Bestrebungen  sich  irgend  in  das  auf  Grund
seines  geschichtlichen  Bestandes  weiter  zu  entwickelnde
Staatswesen  einordnen  ließen,  unbedingt  und  ohne  Ver—
kennung  oder  drosselnde  Beschränkung  des  Möglichen
berücksichtigt  werden  —  aber  die  Regierung  brauchte  und
durfte  sich  trotzdem  von  ihr  nicht  in  allen  Unternehmungen
treiben  und  drängen  lassen.  In  dem  ideologischen  Bestre—
ben,  die  Sozialdemokratie  von  dem  Boden  der  Negation
zur  positiven  Mitarbeit  heranzuziehen,  und  in  Verken—
nung  des  Umstandes,  daß  die  Sozialdemokratie  jener
Jahre  an  ein  Aufgeben  ihrer  Oppositionspolitik  im  Rah—
men  der  damals  bestehenden  Verfassung  aus  rein  takti—
schen  Gründen  nicht  herangehen  wollte,  hat  die  Beth—
mannsche  Regierung  sich  von  der  außerordentlich  geschickt
geführken,  innerlich  gut  disziplinierten  Parkei  über  Bedarf
  ausnützen  und  schwächen  lassen.  Auf  die  übrigen
Parkeien  wurde  nur  wenig  Rücksicht  genommen.  Ganz
hinweggegangen  wurde  dabei  über  die  Taksache,  daß  in
dem  damaligen  Deuktschland  doch  ohnehin  schon  die  soziale
Gesetzgebung  und  Arbeiterfürsorge  in  ihrem  humanen
und  forkschriktlichen  Geist  kurmhoch  über  allen  Maß—
nahmen  dieser  Ark  in  anderen  Ländern  stand  und  daß
dieses  große  Werk  unker  eifrigster  Förderung  durch  den

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