Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1821. (12)

beobachten  durften,  wurden  mir  alle  möglichen  Schwierigkeiten  in
den  Weg  gelegt,  an  meinen  Vater  heranzukommen  oder  mit  ihm
auch  nur  schriftlich  in  dauernder  Verbindung  zu  bleiben,  meine
Briefe  wurden  oft  aufgefangen  und  nicht  abgegeben.  Außerdem
wurde  aus  dem  Bewachungskreise  eine  infame,  regelrechte  Verleumdungskampagne
  gegen  mich  in  der  Presse  geführt.  Besonders
taten  sich  zwei  Journalisten  hierbei  hervor:  ein  Herr  Schnidrowitz
und  Monsieur  Jaques  St.  Cère  vom  „Figaro“  —  ein  deutscher
Jude  —,  der  den  späteren  Kaiser  jahrelang  in  giftigster  Weise  in
Frankreich  verleumdete,  bis  ihm  der  Prozeß  des  „Petit  Sucrier"
den  Hals  brach.

Die  letzte  Freude,  die  der  sterbende  Kaiser  erlebte,  konnte  ich  ihm
durch  den  Vorbeimarsch  der  von  mir  persönlich  dem  Vater  vorgeführten
  2.  Garde-Infanterie-Brigade  bereiten.  Es  waren  die
ersten  und  letzten  Truppen,  welche  Friedrich  III.  als  Kaiser  sah.
Auf  einem  kleinen  Zettel  schrieb  er  seinem  dadurch  beglückten  Sohne
auf:  Er  sei  dankbar  für  die  Freude,  diese  Truppen  zu  sehen,  und
stolz  darauf,  sie  die  seinigen  nennen  zu  können.  Dieses  Ereignis
war  ein  Lichtblick  in  den  schweren  99  Tagen,  die  auch  für  mich  als
Kronprinzen  viel  Kummer,  Demütigungen  und  Verdächtigungen
brachten.  Ich  beobachtete  während  dieser  Krise  pflichtgemäß  wachsamen
  Auges  alle  Vorkommnisse  in  militärischen,  Beamten-  und
Gesellschaftskreisen  und  war  innerlich  empört  über  die  Zeichen  der
Lockerung,  die  ich  überall  wahrnahm,  vor  allem  aber  über  die  sich
mehr  und  mehr  bemerkbar  machende  Feindschaft  gegen  meine  Mutter.
Auf  der  anderen  Seite  mußte  mich  die  andauernd  gegen  mich  gerichtete
  Verleumdungskampagne,  die  mich  als  mit  meinem  Vater  im
Zwiespalt  befindlich  schilderte,  tief  verletzen.

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