auf die einfachste Formel erfaßt, Menschenkenntnis
gegenüber dem Einzelnen und Blick für die allgemeine
Geistesverfassung der Völker, mit denen sie zu rechnen
hat.
Keine von diesen Eigenschaften hat Herr von Bethmann,
der übrigens das Ausland kaum kannte, besessen.
Und weder Kiderlen-Wächter noch der Staatssekretär
von Jagow waren die Männer, um dieses Manko
durch ihre geistige Mitgift auszugleichen.
Wohl gab es auch in unserer Diplomatie Männer
anderen Formats, die großzügig dachten und klar sahen,
aber man war zufrieden, ste auf Auslandsposten zu
wissen, von wo ihre Stimme zwar gehörk wurde, aber
ihr Einfluß auf die Führung der auswärtigen Politik
doch nur sehr gering sein konnke. Es ist mir nicht zweifelhaft,
daß Männer wie Wangenheim und Marschall
oder auch Monts und Metternich es verstanden häkten,
unsere auswärtige Politik in eine richkige und stekige
Bahn zu lenken.
Gerade Herr von Kiderlen wurde von Bethmann
gerne als das große politische Licht aus dem Osten gepriesen.
Ich selbst mochte den erfreulich natürlichen,
kapferen Schwaben krotz seines Pankhersprunges in den
Porzellanladen von Agadir persönlich gerne leiden —
seine besondere sachliche Eignung für den wischligsten
Posten unserer Außenpolikik ist mir nichk aufgefallen,
zumal ihm hierfür eine der wichtigsten Voraussetzungen
völlig mangelte: die Fähigkeik, die Dinge auch einmal
aus dem Augenpunkte des Anderen zu bekrachten. Er
hat nicht nur die Mentalität Frankreichs und Englands
steks völlig aus dem Bereich seiner Erwägungen
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