Full text : Fünfzig Jahre aus Preußens und Deutschlands Geschichte.

156  Zur  Lehre  von  der  Einkindschaft  nach  Nürnberger  Necht.

gen  unbeschränkten  Selbstbestimmungsrechts  bezüglich  der
Güterverhältnisse  Seitens  der  Betheiligten  zurückgegriffen
zu  werden.

Was  die  Tragweite  der  Zulassung  von  Einkindschaftsverträgen
  auch  im  Gebiete  des  Nürnberger  Rechts
anlangt,  so  ist  es  keineswegs  geboten,  auf  die  Auffassung
derjenigen  zurückzugreifen,  welche  in  allen  Fällen  einer
stattfindenden  Vereinkindschaftung  die  Einführung  der
allgemeinen  Gütergemeinschaft  erblicken.  Es  genügt  vielmehr,
  darauf  hinzuweisen,  daß  jene  Autoritäten,  welche
die  Zuläßigkeit  derartiger  Verträge  in  Nürnberger  Recht
überhaupt  bezeugen,  ihnen  jene  Wirkung  beilegen  und
damit  zu  erkennen  geben,  daß  nach  ihrer  Wahrnehmung
das  Einkindschaftsinstitut  sich  in  dem  Sinne  einer  allgemeinen
  Gütergemeinschaft  für  eine  derartige  Ehe  im
Gebiete  des  Nürnberger  Rechts  entwickelt  habe,  die  Regelung
  der  Verhältnisse  in  dieser  Weise  durch  Vertrag  für
zulässig  erachtet  worden  sei.  In  diesem  Sinne  sagt
Siebenkees  in  offenbarer  Anlehnung  an  von  Wölckern
Bd.  3  S.  210,  auf  Seite  22:  „Auf  den  Todesfall  eines
der  beiden  Ehegatten  wird  ihr  ganzes  beiderseitiges  Vermögen,
  das  sie  einander  zugebracht,  während  der  Ehe
ererbt  oder  gewonnen,  insofern  etwas  nicht  von  der  Gemeinschaft
  ausgenommen  worden,  zusammengeworfen,  und
nach  den  Regeln  einer  versammten  Ehe  unter  den
überlebenden  Ehegatten  und  die  Kinder  verschiedener
Ehen  gleich  getheilt.  Nach  dem  Tod  des  letzten  Ehegatten
  erben  die  sämmtlichen  Kinder  beider  Ehen,  dessen
hinterlassenes  Vermögen,  als  wenn  sie  alle  rechtleibliche
Kinder  einer  Ehe  wären“,  und  Lahner  bezeichnet  es
§  121  als  eine  Wirkung  der  Einkindschaft,  daß  eine  Gemeinschaft
  der  Güter  entstehe,  welche  sich  nur  nicht  auf
Lehen  und  Stammgüter  erstrecke.  Auch  Roth  schließt
sich  Note  39  zu  §  93  des  bayer.  Civilrechts  2.  Aufl.,
und  D.  Pr.  R.  8  157  N.  42,  der  gleichen  Auffassung  an.
So  auch  Weber  a.  a.  O.  S.  733  §  142.