Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

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in  blut  (Ps.  78,  11),  lluch  in  segen  (5.  Mos.  23,  5),
rede  ia  zittern  (Droste  335)  wandeln;  dem  wirck  sein
herz  anf  betrubten  mut  gewandelt  Logau  2,  16;  von
der  Transsubstantiation:  s5  man  af  dem  alter  wandelt
sinen  lichnam  und  sin  bluot  Lamprecht  Tocht.  Syon
3126;  —  refl.:  ein  ding,  anschen,  gesinoung  wandelt,
sich;  liebe  hat  sich  in  hasz  gewandelt;  sie  (die  Freude)
wandelt  sich  zum  lied  im  munde  des  dichters  Stolberg
  1,  208;  wol  wandelt  sich  jedem  kräftigen  volk
im  laule  der  zeit  sein  götterglaube  Freytag  Bild.
1,  211.  2)  intransitiv.  Ort  veräudern,  schreitend  sich
sortbewegen:  meare  wandeln  Dief.;  (Christus)  wandelte
  auf  dem  mecr  Mare.  6,  4%  hast  in  den  fusstapfen
der  tiefen  gewandelt  Hiob  38,  16;  euch  wegzulocken
von  dem  guten  pfade  auf  dem  ihr  scid  gewandelt
Schiller  Wall.  Tod  2,  6;  mit  Acc.  der  Richtung  und
Erstreckung:  einen  weg  wandeln;  die  sonne  wandelt
..  ihre  dahn  Geibel  2,  133;  übertragen,  von  der
Lebensführung:  in  der  furcht  des  herrn  (Ap.  Gesch.
9,  31),  im  glauben  (2.  Cor.  5,  7),  nach  der  liebe  (Röm.
11,  15)  wardelo,  u.  a.  —  In  Zusammensetzungen:
Wandelgang,  m.  Gang  auf  und  ab,  hin  und  her:  nach
mancherlei  wandelgüngen  Herder  Sdeen  zur  Phil  d.
Gesch.  1,  2;  bedeckter  Gang  in  oder  an  einem  Gebände
zum  Auf=  und  Abwandeln.  —  Wandelstern,  m.  Verdeutschung
  von  Planet,  von  Adelung  als  neu  verzeichnet.


Wanderer,  m.  der  da  wandert  Hiob  31,  32;  dem
wanderer  zur  kurzen  ruh  Schiller  Tell  1,  3.  —
wander,  zu  Fuße  ziehen,  reisen,  mhd.  wandern,  altengl.
  wandrian;  als  Ableitung  zu  wioden  in  nächster
Beziehung  zu  waodeln  (2);  Meqre  wanderen  Dies.;
in  der  wuste  (2.  Mos.  15,  22),  im  linstero  thal  (Pf.
23,  4),  von  einem  (H  Sachs  Fab.  2,  521),  nach  der
mühle  (Goethe  Faust  1),  zur  stadt,  seines  weges,
scinen  weg  wandern;  laszt  uns  rasch  .  die  lebenswege
wandern  Goethe  Div.  4,  14;  cr  ist  in  dic  ferne  gewandert,
  hat  als  hondwerksbursche  gewandert:  sreier:
aus  diesem  leben  wandern,  sterben  Adelung;  Gcherhaft:
  dasz  in  sein  bucl  hat  lasseo  wandern  (den  Abschied
  gegeben)  HSachs  Fab.  2,555;  vom  scharenweisen
Zug  gewisser  Tiere:  kraniche,  schwalben,  ratten,  heuschrecken
  wandero;  landschaftlich  auch  vom  Spulen
der  Gespenster;  von  Dingen:  der  ertrag  seines  ranbes
wanderie  treulich  in  die  bände  der  geliebten  Schiller
4,  65;  die  weinffssche  wanderte  unermudet  von  nachbar
  zu  nachbar  78;  seine  blicke  wandern  lossen,  u.  a.
—  Wanderschast,  k.  Zustand,  Thätigkeit  des  Wanderns;
kesonders  auch  das  Wandern  eines  Handwerksburschen:
in  meiur  wanderschaft.  .  als  meinem  handwerk  ich
nach  zoch  H  Sachs  Fab.  2,  133.

Wangc,  I.  Gesichtsfläche  zwischen  Schlas  und  Untertieser;
  gemeindentsches  Wort,  gotb.  nicht  ansgewiesen,
aber  durch  die  Bildung  vaggari  Wangenkissen,  Kopftissen,
  bezeugt,  altnord.  vangi,  altengl.  wonge,  altsächs.
ahd.  wanga,  mhd.  wange,  im  Altnord.  Masc.,  altengl.
und  hochdeutsch  Neutr.,  nur  altsächs.  Fem.,  welches  Geschlecht
  im  mud.  wange  sich  fortsetzt  und  auf  das  Nhd.
ansbreitet,  wo  es  im  16.  Ih.  bis  auf  Nachzügler  des
alten  (er  käut  es  bin  und  ber  im  wang  Garg.  185;
ein  wunden  in  das  rechte  wang  geschlagen  Aventin
2,  497)  seststeht:  Zusammenhang  des  Wortes  mit  gotb.
voges,  Aue,  Paradiesesaue,  altnord.  vager.  altengl.
altsächs.  ahd.  wang  Fläche,  Feld,  wird  vermutet,  kann
aber  nicht  für  gewiß  gelten.  Im  eigentlichen  Sinne,  ihre
Farbe  zeigt  die  Gemütsstimmung,  Gesundheit,  Krankpeit,
  Alter,  Elend  an:  runde,  volle,  bagere,  welke,  rote.
bleiche  wangen;  lippen,  wangen  brannter  Schiller
Ränk.  3,  1;  das  blut,  welches  arbeit  und  gesundbheit
uns  landmüdchen  in  die  wangeo  treibt  Möser  Phant.
2,  50;  was  blast  so  auf  einmal  das  (leuer  in  deinen
wangen  aus?  Schiller  Kab.  1,7;  Dim.  in  kosender

Wandelgang  —  Wange.

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Nede  wängelchen,  wiloglein,  auch  wüngel:  glatte  rosenrothe
  wängel  Wieland  Hann  u.  Gulpenheh  9;  übertragen:
  wangen  eines  helmes,  die  Wangen  bedeckende
Teile;  in  der  Spr.  der  Gewerke  Seitenteile  von  Geräten
und  Gegenständen:  wangen  an  einer  Drehbank,  am
Hammer,  an  Treppen,  im  Bergwesen  die  beiden  Flügel
oben  an  einer  Kunststange,  u.  s.  w.;  tragewangen  einer
Babre  Keller  Werke  2,  82.

Wank,  m.  Handlung  des  Wankens,  mhd.  wanescine
  sonne  thut  keinen  wank  Keller  Nachl.  197.  —
wankel,  schwankend,  unbeständig;  westgerman.  Wort:
altengl.  wancol,  altsächs.  wanksal,  ahd.  wanchal,  mhd.
wankel,  nur  in  älterer  Spr.:  das  jr  nicht  wackel
werdet  Hebr.  6,  12;  wankel  und  unpstendig  H  Sachs
Fab.  2,  116;  sonst  in  Zusammensetzungen:  Wankelmut,
  m.  unbeständiger  Sinn,  mhd.  wankclmuot;  dafür
als  Fem.  (vgl.  unter  mut):  die  wankelmuth  dieser  treulosen
  göttinn  Herder  Ideen  zur  Phil.  15,  3.  —  wankelmütig,
  mhd.  wankelmuciic,  unbeständigen  Sinn  habend.
—  wanken,  nicht  mebr  sest  stchen,  schwankende  Bewegung
machen;  gemeingermanisches,  nicht  überall  bezeugtes
Wort,  altnord.  vakka,  ahd.  wankön,  mhd.  mnd.  wanken,
in  älterer  Spr.  auch  mit  dem  Begrifse  des  unbeständig
hin=  und  herziehens,  der  gelegentüch  noch  uhd.  hervortritt:
  er  (der  scherzende  Amor)  wird  wanken  hin  und
her  Königsb.  Dichterkr.  96;  während  sonst  das  Schwanken
des  nicht  sicher  stehenden  bezeichnet  wird;  in  nächster
Beziehung  zu  winken  (s.  d.),  auch  in  ablautender  Formel:
  dort  winken  und  wanken  viel  blumen  heraus
Ubland  212;  von  Menschen,  seinen  Füßen,  seinem
Gange:  das  sie  daumelten  und  wanketcn,  wie  ein
trunkener  Ps.  107,  27;  seine  knioe  wanken  Schiller
Karl.  2,  8;  bin  und  her,  heran,  hervor,  zu  cinem  scssel
bin  (Kab.  5,  1),  in  den  sopha  (Fiesko  1,  10),  die  treppen
herunter  (Schrist.  3,  515)  wanken;  von  Truppen  im
Gesecht:  ihre  reihen  fingen  an  zu  wanken  Häusser
d.  Gesch.  3,  70;  allitterierende  Formel:  wanken  und
weichen  .  vor  den  sturmen  des  lehens  Keller  Werke
6,  239;  von  Dingen:  das  haus,  ein  baum,  balken,  eine
krone  (Ranke  Werke  1,  211),  der  boden  unter  den
fuszen  (Treitschle  5,  291)  wankt;  von  innerlicher  Unsicherbeit,
  Unschlüssigkeit:  riel  ist  schon  gewonnen.
wenn  er  wankt  Schiller  5,  141;  schon  wonkt  er
zwischen  uns  und  dem  infanten  136;  wenn  meine  überzcugungen
  wanken  1,  36.

Wann,  Fragewort  der  Zeit,  ursprünglich  mit  wenn
(s.  d.)  dasselbe,  abd.  hwanne,  hwenne,  mbd.  wannc,
wenne,  in  neuerer  Schristspr.  eingeschränkt:  wann  kommst
du?;  wann  wird  das  geschchen?;  in  älterer  Spr.  und
mundartlich  bis  jetzt  in  der  früheren  weikeren  Verwendung,
  auch  conjunctional:  wann  tindem,  als)  er  meint.
den  kamerladen  aulthun,  thet  er  alwegen  ein  turlin
..  auf  Wickram  Rollw.  171,  2;  (wie  ein  fester  Damm)
nie  dem  strome  weicht,  wann  schon  der  wilde  schwalt
äsich  stürzet  ubern  woll  Haller  97;  du  wirst  mir
antworten.  wonn  du  unterdessen  ..  in  kcinen  sumpf
stürzest  Schiller  2,  391;  mundartlich  —  als,  nach
Verneinung:  es  mangle  richts,  wann  aprichten  JGottbelt
  Schuldenb.  306;  —  adverbial  in  der  Verbindung

ann  und  wann.  —  manchmal,  von  Caniz  noch  als
mundartlich  bezeichnet:  dann  und  wann  sagt  man  in
der  Mark  sehr  häufig,  an  statt  biszweilen  216.  —
Waune,  f.  Futterschwinge,  längliches  Gefäß,  abd.  wanno,
mhd.  wanne,  entlehnt  aus  lat.  vannus,  Futterschwinge:
(untter  welchs  geworfelt  ist  mit  der  worfschanfel  und
wanne  Jes.  30,  21;  als  Gesäß:  wasch-,  badewanne:
ich  bin  Sencca,  als  in  die  wanne  rauschten  scine
adern  Freiligratb  1,  184.  —  wannen,  Getreide,
Futter  schwingen,  mhd.  wannen:  das  korn  wannen
Maaler;  im  wind  wannen  Fischart  Bienk.  103b;
bildlich:  ich  las  die  besten  schriften  .  hatte  abcr  bicht.
stärke  genug,  sie  zu  wannen  Schubart  Leb.  u.  Ge-Wank

  —  wannen.