Vorwort
Von zahlreichen Freunden und noch zahlreicheren Un—
bekannten werde ich täglich bestürmt, die von mir im Laufe der
letzten Wochen in der „Neuen Preußischen (Kreuz-)
Zeitung“ veröffentlichten Artikel gegen den Reichsfinanzminister
und Stellvertretenden Präsidenten des Reichsministeriums,
Herrn Matthias Erzberger , als Flugschrift einem
weiteren Publikum zugänglich zu machen.
Ich komme diesem Wunsche um so lieber nach, als mein Vorgehen
gegen Erzberger inzwischen zu einer großen Auseinandersetzung
über die im Sommer 1917 vorhandenen Friedensmöglichkeiten
geführt hat, in der auch andere damals an der Leitung der
Politik unmittelbar beteiligte Persönlichkeiten, wie der frühere
Reichskanzler Michaelis, der frühere österreichisch-ungarische
Außenminister Graf Czernin, der frühere deutsche Botschafter
in Wien Graf Wedel und der General Ludendorff,
das Wort ergriffen haben. Die Auseinandersetzung wirft
ein helles Licht auf die Vorgänge des verhängnisvollen Sommers
1917, in dem sich die eigentliche politische Krisis des
Krieges abspielte. Auch für mich, der ich in jener Zeit als
Stellvertreter des Reichskanzlers den Dingen nahestand, hat die
Auseinandersetzung manches neue Moment zutage gefördert. Die
Auseinandersetzung kann bleibendes historisches Interesse beanspruchen,
weit über die unmittelbaren Zwecke hinaus, zu denen ich
sie einleitete. -
Mir kam es in erster Linie an: Erstens auf die Befreiung
des deutschen Volkes von der Wahnidee, daß ein für ein un—
besiegtes Deutschland annehmbarer Friede an dem Kriegswillen
des Kaisers, der Reichsleitung, der Heeresleitung, der Schwer—
industrie, der Alldeutschen oder sonstiger verantwortlicher oder
unverantwortlicher Faktoren gescheitert sei; ferner auch die Be—
freiung des deutschen Volkes von der Regierung eines Mannes,
den ich auf Grund der genauen Beobachtung seiner Tätigkeit
während des Krieges, während des Waffenstillstandes und während
der Friedensverhandlungen nicht anders denn als den
Reichs verderber bezeichnen kamm.