Full text : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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der  Stoiker  anzupassen  und  zwar  um  den  naiven  jüdischen  Glauben  mit
dem  philosophischen  Wissen  und  Denken  der  Griechen  zu  rechtfertigen.
Für  das  Christentum  ist  dieses  insofern  von  großer  Bedeutung  geworden,
  als  ein  solcher  Logosbegriff  einer  Göttlichkeit  Jesu  angepaßt
durch  das  Johannesevangelium  in  das  neue  Testament  eingeführt
wurde  und  der  Ausgangspunkt  für  die  Dreieinigkeit  Gottes  geworden
ist.  Es  spricht  aber  nichts  dafür,  daß  zur  Zeit  Jesu  in  Palästina  bereits
etwas  von  dem  System  des  Philon  bekannt  war.

Da  Palästina  infolge  seiner  geographischen  Lage,  seines  Klimas
und  der  Passivität  seiner  Bewohner  ein  unfruchtbares  und  wenig  ergiebiges
  Land  war,  so  waren  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  noch  sehr
primitiv  und  der  Besitz  an  irdischen  Gütern  bei  den  Bewohnern  im
allgemeinen  kein  erheblicher,  um  so  empfindlicher  und  drückender  mußte
aber  die  Habsucht  der  herrschenden  Kreise  wirken.  Dieser  Habsucht
entgegenzuwirken  und  die  Bedrückten  zu  trösten,  dürfte  vielleicht  das
Auftreten  Jesu  auch  wesentlich  mit  veranlaßt  haben.

Das  Auftreten  Jesu  und  die  Zeit  der  ersten  Thristen.

Über  die  Kindheit  Jesu  und  seinen  Werdegang  hat  nicht  das  Geringste
  geschichtlich  genau  festgestellt  werden  können.  Das,  was  die
Evangelien  darüber  bringen,  ist  Legende;  zumal  diese  nicht  von  Zeitgenossen
  Jesu  verfaßt  sind.  Soweit  festgestellt,  sind  die  Evangelien
erst  am  Ende  des  ersten  Jahrhunderts  und  zwar  von  unbekannten  Verfassern
  aufgezeichnet,  denen  es  dabei  weniger  um  geschichtliche  Wahrheiten
  zu  tun  war,  als  um  das  Bestreben,  die  Person  Jesu  mit  den
Prophezeiungen  des  alten  Testaments  in  Übereinstimmung  zu  bringen.
Soviel  scheint  allerdings  festzustehen,  daß  Jesus  nicht  in  Bethlehem
sondern  in  Nazareth,  einer  kleinen  Stadt  in  Galiläa,  geboren  ist,  und
daß  er  nicht  in  seiner  Jugend  sondern  als  Erwachsener  und  zwar,  wie
bereits  bemerkt,  erst  nach  der  Bekanntschaft  mit  Johannes  dem  Täufer
in  die  Offentlichkeit  getreten  ist.  Er  ist  in  der  jüdischen  Weltanschauung
  groß  geworden  und  besaß  nur  die  jüdische  Bildung  der  damaligen
Zeit.  Obwohl  in  Galiläa  zu  jener  Zeit  auch  Leute  fremder  Herkunft,
darunter  vielleicht  auch  Griechen  lebten,  so  ist  doch  nicht  anzunehmen,
daß  Jesus  sowohl  von  griechischer  als  auch  alexandrinischer  Philosophie
etwas  wußte.  Er  konnte  sich  daher  in  seinem  Gedankengang  nur  im
Gebiet  des  alten  Testaments  bewegen.  Alles  darüber  hinausgehende
mußte  er  aus  sich  selbst  schaffen,  wobei  er  sich  höchstens  an  die  Lehren
der  Essäer  und  des  Johannes  anlehnen  konnte.  Nach  Ansicht  der
Evangelien-Verfasser  hat  Jesus  sich  nicht  nur  durch  seine  Hinweise  auf
Moses  und  die  Propheten  als  Anhänger  des  alten  Testaments  belannt.

Giuze,  Soezialemetrutte,  Christentum,  Raterialianius  und  der  Arieg.