Volltext : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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Gebrauch  machen  zu  können.  Der  Kleinbesitzer  bewegt  sich  deshalb  mit
einer  gewissen  Vorliebe  in  den  ererbten  Überlieferungen  fort.  Und  nicht
selten  hat  er  noch  gegen  alles  Neue  ein  großes  Mißtrauen.  Er  hat  auch
ein  gewisses  Recht  zu  solcher  Vorsicht.  Alle  seine  Verhältnisse  sind  klein
und  enge  und  haben  durch  langbewährte  Erfahrungen  eine  gewisse  Festigkeit
  erhalten.  Weitgreifende  Neuerungen  in  dieser  festen  Wirtschaftsweise
können  leicht  den  ganzen  Betrieb  stören.  Der  kleine  Besitzer  hat  sogar
schon  oft  in  dieser  Hinsicht  recht  trübe  Erfahrungen  gemacht.  Es  werden
ihm  Neuerungen  anempfohlen,  die  vielleicht  für  seine  Verhältnisse  nicht
passen  oder  die,  was  wohl  besonders  oft  geschieht,  von  ihm  falsch  verstanden
und  falsch  angewendet  werden,  so  daß  er  zu  Schaden  kommt.  Kein  Wunder,
daß  er  dann  endlich  mißtrauisch  wird  und  es  lieber  so  macht,  wie  es  der  Vater,
Großvater  und  Urgroßvater  gemacht  haben.

Dieser  Tatsache  gegenüber  hat  der  Landwirtschaftliche  Verein  sich  eine
sehr  bedeutungsvolle  Aufgabe  gestellt.

Durch  öffentliche  Vorträge  und  Besprechungen  sowie  durch  Verteilung
von  Büchern  und  Zeitungen  belehrt  er  die  Landwirte.  Er  bietet  ihnen
bei  den  Vereinsversammlungen  eine  leichte  und  günstige  Gelegenheit  ihre
Ansichten  auszutauschen,  ihre  Erfahrungen  und  Beobachtungen,  welche  sie
bei  Ausübung  ihres  Berufs  zu  machen  so  vielfach  Gelegenheit  haben,  sich
gegenseitig  mitzuteilen.  Er  sucht  die  Mißstände  im  landwirtschaftlichen
Gewerbe  und  deren  Ursachen  aufzudecken,  mit  Sachverständigen  über  Mittel
zur  Abhilfe  dieser  Mißstände  zu  beraten  und  diese  dann  mit  gesamter  Kraft
zur  Anwendung  zu  bringen.  Er  strebt  die  Einführung  verbesserter  Geräte
und  Maschinen  an  und  hat  auf  diesem  Gebiete  schon  recht  segensreich  gewirkt.
  So  haben  auch  seine  unablässigen  Bemühungen  zur  Förderung  der
Viehzucht,  der  Wiesenkultur,  für  Ausdehnung  des  Futterbaues,  für  Anlage
von  Feldwegen,  wesentlich  zu  den  hier  erreichten  Verbesserungen  beigetragen.
Der  Anbau  von  Handelspflanzen  und  von  fremdländischen,  früher  unbekannt
gebliebenen  Gewächsen,  geht  von  ihm  aus.  Obst=  und  Weinbau  waren
stets  der  Gegenstand  seiner  besonderen  Aufmerksamkeit.  Und  auch  die
Herausgabe  eines  landwirtschaftlichen  Wochenblattes,  die  Ausstellungen
und  Prämien  haben  wie  die  zahlreichen  Versammlungen  und  Besprechungen
  lediglich  den  Zweck,  die  gedeihliche  Entwicklung  der  Landwirtschaft
nach  allen  Richtungen  hin  zu  fördern.

Und  was  ist  es,  das  so  viele  Bauern  zurückhält  dem  Landwirtschaftlichen
  Verein  beizutrteten?  Einzelne  scheuen  die  geringen  Kosten,  die  der
Eintritt  fordert.  Und  doch  ist  oft  ein  einziger  Ratschlag  im  landwirtschaftlichen
  Wochenblatt  oder  in  einer  landwirtschaftlichen  Besprechung  mehr
wert  als  der  ganze  jährliche  Beitrag  eines  Mitgliedes.  Außerdem  werden
den  Mitgliedern  durch  Verleihung  von  Prämien,  durch  Beschaffung  guter
und  billiger  Saatfrüchte,  Dünger=  und  Futtermittel,  von  Obstbäumen
u.  dergl.  weitere  Vorteile  zugewendet.

Der  Landwirtschaftliche  Verein  ist  eben  in  der  Lage,  viele  Vergünstigungen
  zu  gewähren,  weil  er  bei  gemeinsamen  Bezügen  im  großen  gut
und  billig  einkaufen  kann.