Generalstab wurde dringlich, und so kam es zwischen Maybach und
ihm zum Konflikte.
Erst Minister Thielen hat in dankenswerter, aufopfernder Arbeit
in diesen Fragen Wandel geschaffen und, die militärischen Anforderungen
richtig einschätzend, den Ausbau im Osten begünstigt. Er
war ein tüchtiger, fleißiger, durch und durch zuverlässiger altpreußischer
Beamter, mir treu ergeben und von mir hochgeschätzt. Er hat gemeinschaftlich
mit Miquel treu an der Seite seines Herrn den Kampf
um den Mittellandkanal geführt. Bezeichnend für ihn war das
Wort, das er bei der Eröffnung des Elbe-Trave-Kanals in Lübeck in
meiner Gegenwart zu einer großen Versammlung sprach: „Der Mittellandkanal
muß und wird gebaut werden.“ Das Verhältnis zwischen
ihm und mir ist bis zu seinem Ausscheiden ungetrübt geblieben.
Trotz des Ausbaues im Westen waren vom Mobilmachungsund
Aufmarschstandpunkt aus auch dort noch erhebliche Lücken im
Eisenbahnnetz vorhanden, die schon lange Abhilfe erheischten. Der
Rhein konnte bis Mainz nur auf einer Bahnbrücke passiert, der
Main nur bei Frankfurt überschritten werden. Der Generalstab
hatte längst Beseitigung dieses Übelstandes verlangt. Es traf sich
gut, daß die allgemeinen Verkehrsbedürfnisse sich in derselben Richtung
bewegten. Wenn z. B. jemand von Westen kommend nach
den Taunusbädern oder auf die rechtsrheinische Linie wollte, so
mußte er erst bis Frankfurt und von dort wieder rückwärts fahren,
obwohl er bei Mainz fast Wiesbaden gegenüber vorbeigefahren war.
Minister Budde war der Mann, der für die Durchführung
dieser Aufgaben ausersehen wurde. Als früherer Chef der Eisenbahnabteilung
des Generalstabes war er durch seine außergewöhnliche
Arbeitskraft, zähe Energie und schnelle Entschlußkraft mir schon
lange bekannt; er hatte mir die Lücken unseres Eisenbahnwesens in
bezug auf den schnellen Aufmarsch nach zwei Fronten des öfteren
vorgetragen, immer unter dem Hinweise auf die russischen und fran-148